Mittwoch, 26. Dezember 2018

Folge 008 (27.12.18)


#Beatrix und das große Fressen (Kapitel 08)


Der Kimono fühlte sich samtig weich auf ihrer nackten Haut an. Ohne BH kam sich Beatrix sichtlich befreit vor. In der Küche wartete Labsal für ihre täglichen Strapazen. Eines der Schinken Croissants musste als erstes den Weg in ihren fordernden Magen antreten. Von seiner Quantität war es zwar etwas knapp bemessen ; geschmacklich aber für Supermarkt Ware vorzüglich.
Beatrix schenkte sich ein großes Glas koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk ein. Eisgekühlt rutschte dies in einem Zug durch ihre Speiseröhre. Das zweite Croissant folgte dem ersten – die Lasagne bereitete sich im Backofen auf ihr Schicksal vor.
Ihr Boxensystem spielte lustige und weniger lustige Lieder der neuen deutschen Welle. Gerade war „Goldener Reiter“ von Joachim Witt an der Reihe. Vorsorglich nahm Beatrix eine Tablette gegen ihr Sodbrennen. Und noch eine zur besseren Verdauung.
Sie beschloss, das ein Teil des Nachtisches durchaus vor dem Hauptgang erfolgen konnte. Der Sahne Pudding verlangte nach mehr ! 2 Becher jetzt – die anderen beiden zum Abschluss !

Ihr Smart Phone klingelte. Hierzu war aber momentan keine Zeit. Sie fühlte sich bereits merklich besser. Ein Gespräch mit ihrer Mutter oder Mohamed würde dieses Gefühl nur wieder in das Gegenteil umkehren. Alles zu seiner Zeit.
Der Backofen meldete sich per Sprachmitteilung, das die Lasagne in 5 Minuten zum Verzehr bereit sein wird. Genügend Zeit also für ein weiteres Croissant ! Die gekauften Burger sahen interessant aus – später gerne mehr. Ein weiteres Glas koffeinhaltiger Erfrischung befeuchtete ihre Magenwände. Morgen würde sie wohl mehr Croissants kaufen müssen. Hierfür gab es ja schließlich auch Payroll Punkte. Beatrix ärgerte sich über sich selbst, da sie ganz vergessen hatte, ihren heutigen Einkauf diesbezüglich nachzuprüfen.
Die XXL Lasagne ließ dieses Malheur allerdings schneller vergessen als die Käsekruste angeschnitten war. Goldbraun und herrlich duftend lag sie auf ihrem mit japanischen Ethno Motiven verzierten Teller. Die intelligenten Boxen hatten sich für „Big in Japan“ vonAlphaville entschieden. Ob dies an ihrem Teller oder doch eher Kimono lag, wusste wohl nur der das Gerät steuernde Algorithmus. Der von Beatrix war eindeutiger und ließ sich trefflich mit möglichst viel und schnell schnabulieren zusammenfassen. Die XXL Lasagne war jedenfalls schneller herunter geschlungen als aufgebacken. Die blaue Tablette konnte ihrem Sodbrennen nur teilweise Herr werden. Die Doppel Burger lachten sie dennoch an. Nach einem weiteren Sahne Pudding war das weitere Schicksal dieser besiegelt. Backofen; danach ab in die Speiseröhre. Zuvor allerdings noch zwei Kugeln Vanille Eis mit Sahne. Ein herrlicher Kontrast zu der würzigen Lasagne.
Ihr Bauch fühlte sich etwas aufgebläht an – aber egal. Heute schmeckte es ihr vorzüglich. An Aufhören wollte sie überhaupt nicht denken.

Bereits heute früh während des Meetings hatte sie an Essen gedacht. In Gesellschaft nahm sie sich diesbezüglich immer etwas zurück. Klar, einen Nachtisch hatte sie sich in der Mittagspause schon noch genehmigt. Dafür aber nur das vegetarische Hauptgericht. Niemand in der Firma sollte auf die Idee kommen, Beatrix wäre eine maßlose Esserin. Ihre Notration an Schoko Riegeln hielt sie in ihrer hinteren Schreibtisch Schublade für ausreichend gut versteckt. Länger als zwei Tage lagen sie hier sowieso nie. Und immer noch besser als die Flachmänner, welcher Herr Häberle aus der Buchhaltung in seinem Spind gebunkert hielt.

In Sachen Doppel Burger vermeldete der Backofen mittels einer beruhigenden Frauenstimme baldige Verzehrbereitschaft :“Der Backvorgang ist in 120 Sekunden abgeschlossen“.
Beatrix war voller Vorfreude und gierte durch dessen Glasverkleidung. Prachtvoll aufgebacken und fast wie auf der Umverpackung abgebildet. Payroll Punkte gab es hierfür dazu noch. Perfekt verlaufener Käse. Saftiges Rindfleisch. Und anschließend noch eine Kugel Eis. Speichelfluss. Verzehr Zeit. Jetzt. Der eigentlich viel zu heiße Burger wanderte rasch in Richtung Magen. Ihre Zähne benützte Beatrix hierfür nur 2 mal. Der Duden würde für diesen Vorgang wohl das Wort herunter schlingen empfehlen.
Nicht schlimm – Portion Nr.2 stand ja noch dampfend bereit.
Sie löschte ihren heiß gelaufenen Hals wiederum mit einem mittleren Glas koffeinhaltiger Limonade. Beatrix musste leicht aufstoßen. Derartiges war sie seit Jahren gewohnt.
Für den zweiten Happen wollte sie sich mehr Zeit lassen. Letzte Züge von Genuss. Sie zählte im Geiste bis 12. Kurze Pause. Jetzt nur ein kleiner Biss. Ganz langsam. Ihr Mund versank tief in dem Burger. Ihr Mund war voller wohl durchgebratenem Rindfleisch. Geschmack von gebratenen Zwiebeln – herrlich. Das herunter Schlucken flutete ihren Körper mit einer warmen Wonne. Eine zweite Packung wäre fantastisch.

Ihre intelligenten Boxen spielten gute Laune Hip Hop von den fantastischen Vier. Sie fand, das es Zeit für eine Kugel Vanille Eis ist. Natürlich mit Sahne. Beatrix musste schmunzeln. Sprühsahne gehörte zu der Grundausstattung ihres Kühlschrankes.

Vor Mohamed hatte sie heute ihre Ruhe – der wollte heute Nacht nämlich zu einer Elektro Party in die Südstadt. Soll er doch – mit seiner Drogen Scheiße wollte sie sowieso nichts zu tun haben. Beim Essen brauchte sie ihre Ruhe. Das Eis schmeckte grandios. Sie öffnete ihren Kühlschrank. Die Milchschnitten hatte sie ganz vergessen. Eine ist keine. Die Salami vom Feinkost Italiener lag im Fach darunter.
Ihr fiel das heute gekaufte Frauenmagazin ein. Lesen konnte sie immer noch. Die Salami ließ sich mit ihrem japanischen Küchenmesser problemlos kleinschneiden. Was für eine feine Pfeffer Ummantelung ! Brot würde den Genuss nur schmälern. Zum Glück hatte sich der Feinkost Laden bereits Anfang Jahres dem Payroll Verbund angeschlossen. Eine weitere Milchschnitte zum Kontrast. Ein Jammer, das sie Croissants bereits alle waren ! Ihr aufgeblähter Bauch fühlte sich kalt an.

Beatrix beschloss, aus ihrer smarten Kaffeemaschine eine große Tasse Cappuccino herauszulassen. Smart übergab diese ihren Pulver Bestand an die Datenbank eines großen Online Händlers. Bald würde sie hier wieder vollautomatisch eine neue Bestellung aufgeben. Beatrix fand es wunderbar, das sie sich um ihren Kaffee Vorrat keine Gedanken mehr machen musste. Alles regulierte vollautomatisch der Vollautomat !
Weniger wunderbar ihr doch etwas sparsamer Einkauf von vorhin. Einen Yufca hätte sie durchaus noch vertragen können. Zu dem Cappuccino genehmigte sie sich noch eine Milchschnitte. Nichts halbes und nichts ganzes.
Da ihre Küchenuhr im Bahnwärter Haus Design gerade einmal 22.53 anzeigte, griff sie zu ihrem Smart Phone. Der türkische Bring Dienst um die Ecke lieferte bis 02.00 Uhr. Letztes Mal hatte die Lieferung ganze 25 Minuten gedauert. Payroll Punkte lachten zusätzlich. Am besten noch eine kleine Pizza als Vorrat.

Ihr Sodbrennen nahm Beatrix momentan nicht mehr wahr. Welch quälende Warterei ! Sie zündete sich eine ihrer Slim Light Zigaretten an und blätterte etwas in der Berlin Woman. Obwohl sich die Zeitschrift laut Eigenaussage ein normales Frauenbild auf den Redaktions Kodex geschrieben hatte, waren nur Modelle mit top proportionierten Körpern zu entdecken. Sicher , hier und dort eine angedeudete Rundung - aber wirklich füllige Frauen Fehlanzeige. Beatrix bohrte mit dem Mittelfinger in ihren Bauch. Dieser war alsbald fast bis zu den Fingerwurzeln in Speck Ansammlungen versunken.

Kochrezepte gab es in der Publikation auch. Die angepriesene vegane Küche war höchstens ein Fall für ihre Mittagspause. Das Nikotin der Zigarette regte ihren Appetit weiter an. Den eigentlichen Kaufgrund der Berlin Woman überblätterte sie gelangweilt. Sie brauchte dringend etwas zu essen.

Dann das erlösende Klingeln an der Haustüre. Schnell eine Milchschnitte zum herunterkommen. Speichelfluss in ihrem Mund. Ihre Brustwarzen waren leicht angeschwollen. Sie knöpfte ihren Kimono bis zum Hals zu. Zum heraus Kramen eines Büstenhalters war jetzt keine Zeit. Beatrix wurde leicht unruhig. Trotzdem musste sie auf Nummer Sicher gehen. Sie gab ihrem intelligenten Boxen System sprachlich zu verstehen, das sie ein Überwachungsbild des Hauseinganges wünsche. Sofort war auf ihrem Fernseher das gewünschte zu sehen.

Nämlich ein Yufca Bote, welcher gerade mit einem großen Karton unter dem Arm aus einem E Mobil mit Werbeaufschrift stieg. Sie kannte den Mann. Es war Abdul, Mitte 20 und seit 2 Jahren bei dem Bring Dienst als Fahrer beschäftigt. Ein Türke mit Doppelpass, idealtypisch modisch leger gekleidet und zumindest auf dem Papier gläubiger Moslem.
Da sich Beatrix ein paar Mal mit ihm unterhalten hatte, kannte sie ihn etwas. Mohamed kannte ihn sogar etwas besser. 
 
Sein Lebensstil ließ sich wohl am besten mit den Kürzeln M.S.D beschreiben. Zuerst Freitagsgebet in der Moschee , anschließend Risikoleiter in der Spielothek – zum Abschluss dann Frauen abchecken in der Disko. Selbstverständlich unter Zuhilfenahme von alkoholischen Getränken. Trotz seiner Widersprüche fand Beatrix den Kalorienlieferanten ganz sympathisch. Wahrscheinlich auch, weil der Grund seiner Besuche stets mit Essen verbunden war.

Abdul stolzierte die Treppe hinauf und präsentierte Beatrix das Gewünschte mit einem galanten Knick. Sie hatte jetzt weder Zeit noch Lust für ein Gespräch. Pizza und Yufka lagen zum Greifen nahe. Es duftete herrlich durch den kitschig bedrucken Karton. Jetzt nur keine Zeit verlieren. Sie zückte ihr Smart Phone – Garry Copper hat in 12 UhrMittags seinen Colt nur unwesentlich schneller gezogen - zum Bezahlen. Bargeld hatte Beatrix seit Monaten nicht mehr verwendet. Abdul verstand ihre Körpersprache und quittierte die Bestellung kurz. Er lächelte süffisant .
Aus einer Fehldeutung der Bestellung schloss Abdul wohl auf ein geplantes Schäferstündchen mit Mohamed. Zum Abschluss wünschte er viel Spaß und drückte Beatrix die noch dampfende Umverpackung in die Hand.

Schnell wieder zurück in die Küche. Sie knöpfte ihren Kimono bis knapp über ihre Brüste wieder auf. Entlich wieder Nachschub. Essen, Essen. Beatrix setzte sich auf ihren Panton Lounge Hocker. Stolzerweise ein Original aus den 70er Jahren und kein billiges Relikt aus dem Möbelhaus um die Ecke. Es hatte lange gedauert, bis sie dieses Lieblingsstück entlich gefunden hatte. Auf einer Antiquitäten Plattform im Netz. Fünf Jahre besaß sie den Hocker jetzt schon. Damals war ihre Welt noch etwas einfacher gewoben gewesen. Beatrix hielt kurz inne.

Die intelligenten Boxen hatten sich für „ As time goes by“ von Frank Sinatra entschieden. Aus dem Klassiker Cassablanca. Bestimmt bereits ein Dutzend mal gesehen.. Neben Mangas war der amerikanische Film der 30er und 40er Jahre eine ihrer Passionen. Bogart, E.C. Robinson und wie sie damals alle hießen. Standhafte Männer in einer gebrochenen Zeit.

Der Yufka schmeckt heiß am besten. Die Pizza später. Trotz ihrer Blähungen griff Beatrix folglich erneut zu ihrem japanischen Küchenmesser. Mit einem präzisen Schnitt teilte sie die türkische Teigtasche in zwei Teile.
Die Füllung sah vielversprechend aus. Viel Fleisch; Gemüse nur zur Geschmacksstabilisation. Ein extra großer Kawenzmann. Der Teig nicht zu dick. Sie griff in die eine Hälfte und biss gierig hinein. Ihr Mund war voller Speichel.
Die Küchenuhr zeigte 23:22 Uhr an. Ihr Herzschlag erschien einen Tick zu schnell. Kauen und genießen. Herzhaft frischer Geschmack. Der Speisebrei in ihrem Mund schmeckte nach Zwiebeln. Herunter Schlucken, dann sofort einen Bissen nachlegen. Beatrix Hände zitterten leicht. Leichte Schweißbildung an ihnen. Gefühl von Ekel.
Zum Feuchttücher holen hatte sie jetzt keine Zeit. Nachher. Die Bakterien mussten später restlos entfernt werden. Der Yufka durfte aber nicht kalt werden. Nur nicht an das blöde Sodbrennen denken. Ihre Abbeiss Frequenz wurde immer schneller. Yufka Soße lief ihr die Mundwinkel herunter. Beatrix Magen brannte etwas. Das große Glas Zuckerwasser mit Coffein Zusatz half diesbezüglich nur wenig. Trotzdem weiter schlingen. Sie konnte jetzt auf keinen Fall aufhören. Nie mehr aufhören.

Die intelligenten Boxen spielten dezente Klassik zur Untermalung. Diverse Payroll Punkte versuchten gerade vergeblich, sich in Beatrix Magen zu verdauen. Die zweite Yufka Hälfte wartete auf ihre Hinrichtung.

Mohamed vertickte gerade auf einer Elektro Party für 20 Euro Pillen. Extasy, welches er von einem Landsmann – Chemie Student im 6 Semester – günstig erstanden hatte. Bereits das vierte Theken Geschäft an diesem Abend. Bis 05:00 war noch eine Menge Zeit; besser konnte es fast nicht laufen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte er die Ware in einem Mülleimer hinter dem Club deponiert. 
 
Bullen Ärger wollte er in Deutschland tunlichst aus dem Wege gehen. Dies war ihm bislang auch weitgehend gelungen. Bis auf einmal Schwarzfahren in der U Bahn – eine Kleinigkeit– sauberer konnte seine Weste kaum sein.
In seiner Heimat war dies doch etwas anders gewesen. Glücklicherweise wusste dies hierzulande aber niemand. Oder besser gesagt – niemand wollte es wirklich wissen. Auf den Ämtern arbeiteten meistens mittelalte Damen mit viel Empathie. Kaum eine , welche seinem Charme wieder stehen konnte. Tiefer gehende Nachfragen fast immer Fehlanzeige.
Er zündete sich mit seinem Dupont Feuerzeug eine Zigarette an, inhalierte tief, lächelte und betrat zufrieden wieder den Club. Morgen würde er wieder 500 Euro per Payroll Union nach Hause transferieren. Sein älterer Bruder musste schließlich mit dem Ausbau des Hotels vorankommen. Deutschland war nur eine Durchgangsstation. Zuhause war Geld verdienen viel schwieriger. Am Wochenende würde er es der Dicken wieder besorgen. Ihr Brüste luden seinen Säbel förmlich ein. Mohamed hatte ein Faible für aus den Fugen geratene deutsche Frauen.

Dank einer mittelgroßen Portion Vanille Eis mit Sahne Haube hatte das Stillleben halber Yufka auf japanischem Teller noch eine kurze Schonfrist. Sie war wie von Sinnen. Mehr, immer mehr. Unter ihren Brüsten hatte sich wieder Schweiß gebildet. Völlegefühl. Welches Völlegefühl ? Yufka auf Eis schmeckt göttlich. Speisebrei mit Fleischzulage.
Morgen früh stand der nächste Arztbesuch an. Sie brauchte unbedingt eine Überweisung. Ein voller Bauch gab ihr die Illusion, zu existieren. Später unbedingt an die Magen Tabletten denken. Mohamed konnte ihr heute gestohlen bleiben. Er war sowieso wieder auf Party Tour.
Beatrix Brustwarzen waren immer noch aufgerichtet. Die nächste Salve glitt die Speiseröhre herunter. Sie fühlte sich befriedigt und leicht erregt. Das Stillleben bestand nur noch aus einem japanischen Teller. Pizza Zeit. Hilfsmittel Messer. Vier gleich große Teil erschien als angemessen. Türkische Pizzen sind zum Glück immer sehr dick belegt. Auch an Käse wurde nicht gespart. Doppeldecker Pizza. Fettig und noch heiß. 
 
Beatrixfühlte sich weiterhin erregt und bewegte das erste Stück in Richtung Mund.
Die Peperoni schmeckte nach extra scharf. Nach dem Durchbeißen entfaltete sie erst ihre ganze Kraft. Kurzes Innehalten ; die Augen tränten. Schnell ein Glas Coke hinterher. Das nächste Stück wartete schon. Salami und etwas Paprika lachten ihr fett triefend entgegen. Genug gelacht – im Magen wird es gleich dunkel. Schnell und schneller schlang Beatrix die teigige Masse. Ihren aufgeblähten Bauch nahm sie wissend in Kauf.
Sie öffnete sämtliche Knöpfe ihres Kimonos. Essen ist Lust. Lust ist Leben. Pizza bis auf den letzten Rest vertilgt.Siegerin – geschafft.


Beatrix befahl ihren intelligenten Boxen, die Raumtemperatur um 5 Grad zu reduzieren. Obwohl die moderneTechnik selbstredend auch diesen Auftrag in kürzester Zeit gewissenhaft ausführte, war ihr immer noch unglaublich heiß. Außer um die Bauchgegend herum – kaltes, wenig durchblutetes Fleisch. Jetzt war das Sodbrennen wieder wahrnehmbar. Sehr sogar. Sie entschloss sich zum Konsum einer weiteren Slim Light Zigarette. Schwindel, kalt schweißige Stirn. Sekunden andauernde Bewegungslosigkeit auf dem Lounge Sessel. Das Nikotin tat ihr nicht gut. Ein leichtes Kratzen im Hals. Beatrix schämte sich ob ihrer fehlenden Disziplin. Die Magen Tabletten wirkten nicht mehr. Überall kalter Schweiß. Herzrasen. Sie kannte diesen Zustand seit mindestens fünf Jahren.

Mohamed wickelte gerade Deal Nr.6 ab. Der Elektro Club platzte aus allen Nähten – Prime Time, Zufriedenheit und Umsatz. Das Hotel nahm so langsam greifbare Formen an. Geld liegt in good old Germany wahrlich auf der Straße. Oder in der Mülltonne. Er lächelte verschmitzt in sich hinein und bestellte an der Bar bei einer voll tätowierten Brünetten einen weiteren Whisky sour. Großzügig rundete Mohamed auf 10 Euro auf. Es war wichtig, das ihn in diesem Laden jeder in guter Erinnerung behält. Am Wochenende würde er zusätzlich seine dicke Grazie um etwas Geld bitten. Die kranke Mutter...

Die ersten 9 Kapitel als praktisches Ebook ?

 

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Folge 007 (14.12.18)


#Beatrix oder daheim ist es am schönsten (Kapitel 07)

 

 


Beatrix geräumige und lichtdurchflutete 3,5 Zimmer Wohnung lag in einem Viertel, in welchem die Moderne seit einigen Jahren Einzug gefunden hatte.
Zumindest empfand sie es so. An jeder Ecke gab es kleine Bars und Cafes, in welchen man Sushi, selbstgemachte Pralinen oder auch vegane Gaumenfreuden konsumieren konnte. Abends herrschte auf den Straßen ein stetiges Wuseln. Es gab viele kreative Menschen in der Gegend. So weit Beatrix dies beurteilen konnte, ging im Viertel fast jeder irgendeinem Projekt nach. Gegenüber ihrer Wohnung hatte gerade eine Galerie für afrikanische Gegenwartskunst frisch eröffnet. Eine ihrer Nachbarinnen betrieb einen größeren youtube Kanal, auf welchem sie ihre Aktzeichnungen vorstellte.
Trotz allem lebten in dem Viertel viele Kleinkinder und Babys. Besonders in den Mittagsstunden und bis zum Einbruch der Dämmerung überall Mütter mit ihren Doppel Kinderwägen und Coffee to go Bechern.

Vor ein paar Jahren lebten in ihrem Viertel vor allem noch Rentner und Arbeiter. Die Fassaden waren damals alle viel grauer. Beatrix konnte dies beurteilen, den sie lebte bereits das siebte Jahr in ihrer Wohnung. Damals gab es 2 Eckkneipen für Menschen jenseits der 70. Ansonsten neben einer Bäckerei nicht viel Abwechslung.Nach 19 Uhr wurden sprichwörtlich die Gehsteige hochgeklappt.

Als ein Investor mehrere Blocks von der hiesigen Wohnbaugesellschaft gekauft hatte, wurde es dann fast über Nacht komplett anders. Die Häuser erhielten einen neuen modernen Anstrich; Farbe kehrte ein und Gewerberäume wurden geschaffen. Viele der gleichfalls grauen Vorbewohner zogen in den folgenden Jahren weg. Oder starben. Beatrix war sich diesbezüglich nicht ganz sicher.

Leben in die Gegend war aber eigentlich schon früher gekommen. Ungefähr vor 5 Jahren, als drei Straßenzüge weiter in einem still gelegten Fabrikareal der neue Elektro Club der Stadt eröffnet hatte. Plötzlich wollten alle in das vormals eher als langweilig geltende Kiez ziehen. Beatrix machte sich eigentlich nicht viel aus Clubbesuchen.
Um bei ihren Arbeitskollegen anerkannt zu bleiben, blieb ihr allerdings gelegentlich Freitags nichts anderes übrig, als Ja zu sagen. Ja zu stundenlangem dumm herumstehen um eine meist total überfüllte Bar. Ja zu viel zu lauten Bässen aus viel zu großen Boxen.

Ihr „Friend with spezial benefits“ Mohamed war diesbezüglich anders gepolt. Er wollte praktisch jedes Wochenende in den Club. Beatrix wusste, das er sporadisch in gute Bekannte etwas Weed verkaufte. Sie fand diese Tatsache moralisch durchaus vertretbar. Schließlich konsumierte er selbst keine Drogen. Zumindest beteuerte er dies mantrahaft regelmäßig. Außerdem brauchte er das Geld für seine kranke Mutter. Meistens blieb Beatrix allerdings zu Hause, wenn es Mohamed in das Nachtleben zog.

Die Mieten waren in den letzten Jahren natürlich schon arg nach oben geschnellt. Genau genommen um fast 120 Prozent die letzten 7 Jahre. Da Beatrix inzwischen gut verdiente, war ihr diese Kostensteigerung recht egal. Ein Kiez mit hohen Wohnkosten hatte nämlich durchaus auch seine Vorteile. Es hielt solche Versager wie vorhin vor dem Supermarkt fern. Und alte Menschen leben doch meistens lieber im grünen.

Vor ihrem generalsanierten Wohnblock legte sie ihren Daumen auf einen Sensor. Wie von Geisterhand gesteuert öffnete sich die im Bauhaus Stil gestaltete Eingangstüre. Das Treppenhaus war dezent, aber perfekt ausgeleuchtet. Für die Treppenhausbeleuchtung hatte der neue Investor extra einen Light Artist aus Mailand verpflichtet. Als sie damals einzog, spendeten hier noch profane und zumeist vergilbte Neon Leuchten Erleuchtung. Ihre Einkäufe zog Beatrix mittels eines Trollys hinter sich her. Sie freute sich auf Essen. An ihr Sodbrennen hatte sie sich inzwischen gewöhnt.

Selbst der Aufzug hatte eine General Überholung erhalten. Der einst simple 70er Jahre Stil der Marke höchstens 8 Personen mit 500 kg. Leibesfülle war einem eleganten Hybrid aus Tradition und Moderne gewichen. Modernste Digital Technik , welche ihren Dienst in einem im Chandler Stil der 40er Jahre gebauten Aufzug verrichtete.
Beatrix fand diese Veränderungen toll. Auch die unauffälligen und überall im Treppenhaus angebrachten Überwachungskameras störten sie nicht. Sie waren perfekt in die Architektur integriert und gaben ihr ein Gefühl von Sicherheit. Jede Bewegung im Treppenhaus wurde aufgezeichnet und bis auf Wiederruf digital gespeichert. Im Bedarfsfall griff ein privater Sicherheitsdienst unmittelbar und schnell ein.Seit Beatrix in dem Haus wohnte, war hier noch nie ein Verbrechen passiert. Hierfür bezahlte sie gerne 90 Euro zusätzlich im Monat.

Ihre Wohnungstüre öffnete Beatrix gleichfalls mittels ihres Fingerabdruckes. Sie hätte zwar auch einfach ihren Schlüssel verwenden können. Ein normales Schloss besaß die filigran verglaste Türe nämlich auch. Die Fingerabdruck Variante fand sie aber deutlich schicker und erinnerte sie an diverse Ami Serien, welche sie sich zugegeben mehr als regelmäßig reinzog. Die meisten in ihrem Betrieb hatten derartige technische Spielereien zuhause nämlich nicht vorzuweisen.
Außer ihr konnten nur Mohamed und ihre Mutter Haus und Wohnung mittels einfachem Daumendruck betreten. Beatrix war dies eigentlich nicht sonderlich recht; hätte aber ansonsten in beiden Fällen eine Kränkung wegen fehlendem Vertrauen nach sich gezogen. Gerade Mohamed war in dieser Beziehung recht eigen.

In ihrer Wohnung befahl sie als erstes ihrem intelligenten Boxen System per Sprachsteuerung, dezente Hintergrundmusik zu spielen.

Es erklang 'I Will Always Love You' von Whitney Houston . Nicht ganz zufällig.
Ihre Boxen wussten wahrscheinlich mehr über Beatrix als sie selbst. Immerhin konnten nämlich auf ihr Surf- und Einkaufsverhalten im Netz zugreifen. Und dies über Jahre.
Außerdem hatte sie sich mit zwei ihrer Freundinnen des öfteren über die leider viel zu früh verstorbene Soul Diva unterhalten. Diese Gespräche waren dem Algorithmus der Boxen augenscheinlich nicht unerkannt geblieben. Boxen war sowieso ein fast schon herabwürdigender Ausdruck für diese tolle Erfindung. Hiermit konnte sie sämtliche ihrer Elektro Geräte intelligent per Sprache steuern. Gerade im Falle des Fernsehers fand Beatrix dies unglaublich cool. Zeige mir eine Doku – und zack – sofort war auf dem Bildschirm etwas zu sehen, was wirklich ihrem Geschmack entsprach. Sie liebte Technik, welche einem das Leben derart einfach macht.

Nachdem sie ihre Einkäufe in den im 50er Jahre Stil gehaltenen Kühlschrank einsortiert hatte, beschloss Beatrix, das es Zeit für bequemere Kleidung ist. Ihre Jeans rieb weiterhin rigoros an ihrem teilweise wund gescheuerten Bauch. Sie durfte später auf keinen Fall vergessen, Dr. W. Verschriebene Salbe auf die geröteten Stellen aufzutragen.
Außerdem hatte sie das Gefühl, das ihre Straßenkleidung nach Moder und Verfall roch. Auf der Supermarkt Toilette hatte sie sich sicher gefährliche Bakterien eingefangen. Beatrix schauderte leicht.

Ihr gleichfalls über intelligente Digital Technik verfügende Kleiderschrank empfahl ihr via beruhigender Frauenstimme daher den japanischer Kimono, welchen sie vorigen Monat bei einem bekannten Online Händler erstanden hatte. Diesen Vorschlag fand Beatrix in Anbetracht ihrer momentanen Verfassung mehr als angemessen. Obwohl noch nie in ihrem tatsächlich in Japan gewesen, hatte sie bereits zu Kindertagen ein Faible für dieses Land entwickelt. Mangas lass sie unglaublich gerne. Außerdem war er unglaublich bequem und kaschierte vortrefflich ihren Walroß haft aus den Fugen geratenen Bauch.
Beatrix zog sich aus und beförderte ihre heutige Kleiderwahl in ein Behältnis, welches ihre Anziehstücke anschließend sortierte, reinigte und wieder an die vorgesehenen Stellen in den Schränken beförderte.

Intelligent Clothing hieß dieses System, welches erst seit einem Jahr auf dem europäischen Markt eingeführt worden war.Sündhaft teuer aber im täglichen Konkurrenzkampf mit ihren Kolleginnen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Noch 43 Monatsraten und es gehörte bis auf den letzten Chip ihr. Dafür lohnte es doch zu arbeiten und Karriere zu machen. 


Die ersten 9 Kapitel als praktisches Ebook ?

 

Sonntag, 9. Dezember 2018

Folge 006 (9.12.18)

#Beatrix fährt in die Apotheke (Kapitel 06)

 

 


Beatrix war froh, als sie endlich ihren Einkauf hinter sich gebracht hatte. Schnell weg von hier ! Motor an, Rückwärtsgang eingelegt und ab nach Hause ! Entgegen ihrer sonstigen Angewohnheiten zündete sie sich zum Fahren eine ihrer Light Zigaretten an. Normalerweise hasste es Beatrix, wenn in einem Auto geraucht wird. So stickig; keine Luft mehr ! Obwohl sie vom Verstauen ihrer Einkäufe immer noch außer Atem war, zog sie den Rauch ihrer Zigarette dennoch tief ein. Diese widerlichen Menschen vor dem Supermarkt ! Sie machten ihr Angst. Sich so würdelos gehenlassen.

Im Mp4 Spieler trällerte gerade ein Radiosender , welcher heute wohl Deutschrock zum Themenschwerpunkt hatte. Es lief „Der Typ aus ZelleNummer 10“ von Westernhagen.
Beatrix fiel ein, das sie noch ein Rezept aus der Apotheke abholen musste. Sie hatte zwar noch drei Schlaftabletten in petto – dennoch wollte sie diesbezüglich auf Nummer Sicher gehen. Außerdem war die Nacht Apotheke ja keine 500 Meter entfernt und ein paar zusätzliche Payroll Punkte konnten schließlich nicht schaden.

Danach brauchte sie aber dringend etwas zu essen. Trotz 30er Zone beschleunigte Beatrix ihren Waagen auf unerhörte 40 Km / Stunde. Ihr Sodbrennen war zwar geringfügig besser geworden; plagte sie aber immer noch konstant. Vielleicht hatte sie sich aber auch nur daran gewöhnt. Der Duftbaum spendete weiter fleißig Papaya Duft und aus den Boxen schepperte nun „99 red Ballons“ von Nena.

Nach der Hälfte drückte Beatrix ihre Zigarette aus. Sie betrachtete sich während der kurzen Fahrt im Rückspiegel. Ihr Lippenstift brauchte dringend eine Auffrischung. Hoffentlich hatten sie in der Apotheke ihre Tabletten auch vorrätig. Der morgige Arztbesuch war ihr neunter dieses Quartal. Den Zahnarzt nicht mitgerechnet.
Weiterhin scheuerte der Gurt an Beatrix Bauch. Zumindest dann, wenn sie um die Kurve fuhr.

Der ungefähr 60 Jahre alte Apotheker kannte Beatrix bereits seit Jahren , begrüßte sie per Handschlag und händigte ihr mit einem Strahlen im Gesicht das gewünschte Präparat aus. In stürmischen Zeiten wie den momentanen waren langjährige Stammkunden Gold wert. Und vor allem solche, welche quasi im Wochentakt mehrere Rezepte einlösten. Er schrieb Beatrix ihre Payroll Punkte gut, bedankte sich und hielt ihr zum Abschied noch die Türe auf. 


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Samstag, 8. Dezember 2018

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