Donnerstag, 13. Dezember 2018

Folge 007 (14.12.18)


#Beatrix oder daheim ist es am schönsten (Kapitel 07)

 

 


Beatrix geräumige und lichtdurchflutete 3,5 Zimmer Wohnung lag in einem Viertel, in welchem die Moderne seit einigen Jahren Einzug gefunden hatte.
Zumindest empfand sie es so. An jeder Ecke gab es kleine Bars und Cafes, in welchen man Sushi, selbstgemachte Pralinen oder auch vegane Gaumenfreuden konsumieren konnte. Abends herrschte auf den Straßen ein stetiges Wuseln. Es gab viele kreative Menschen in der Gegend. So weit Beatrix dies beurteilen konnte, ging im Viertel fast jeder irgendeinem Projekt nach. Gegenüber ihrer Wohnung hatte gerade eine Galerie für afrikanische Gegenwartskunst frisch eröffnet. Eine ihrer Nachbarinnen betrieb einen größeren youtube Kanal, auf welchem sie ihre Aktzeichnungen vorstellte.
Trotz allem lebten in dem Viertel viele Kleinkinder und Babys. Besonders in den Mittagsstunden und bis zum Einbruch der Dämmerung überall Mütter mit ihren Doppel Kinderwägen und Coffee to go Bechern.

Vor ein paar Jahren lebten in ihrem Viertel vor allem noch Rentner und Arbeiter. Die Fassaden waren damals alle viel grauer. Beatrix konnte dies beurteilen, den sie lebte bereits das siebte Jahr in ihrer Wohnung. Damals gab es 2 Eckkneipen für Menschen jenseits der 70. Ansonsten neben einer Bäckerei nicht viel Abwechslung.Nach 19 Uhr wurden sprichwörtlich die Gehsteige hochgeklappt.

Als ein Investor mehrere Blocks von der hiesigen Wohnbaugesellschaft gekauft hatte, wurde es dann fast über Nacht komplett anders. Die Häuser erhielten einen neuen modernen Anstrich; Farbe kehrte ein und Gewerberäume wurden geschaffen. Viele der gleichfalls grauen Vorbewohner zogen in den folgenden Jahren weg. Oder starben. Beatrix war sich diesbezüglich nicht ganz sicher.

Leben in die Gegend war aber eigentlich schon früher gekommen. Ungefähr vor 5 Jahren, als drei Straßenzüge weiter in einem still gelegten Fabrikareal der neue Elektro Club der Stadt eröffnet hatte. Plötzlich wollten alle in das vormals eher als langweilig geltende Kiez ziehen. Beatrix machte sich eigentlich nicht viel aus Clubbesuchen.
Um bei ihren Arbeitskollegen anerkannt zu bleiben, blieb ihr allerdings gelegentlich Freitags nichts anderes übrig, als Ja zu sagen. Ja zu stundenlangem dumm herumstehen um eine meist total überfüllte Bar. Ja zu viel zu lauten Bässen aus viel zu großen Boxen.

Ihr „Friend with spezial benefits“ Mohamed war diesbezüglich anders gepolt. Er wollte praktisch jedes Wochenende in den Club. Beatrix wusste, das er sporadisch in gute Bekannte etwas Weed verkaufte. Sie fand diese Tatsache moralisch durchaus vertretbar. Schließlich konsumierte er selbst keine Drogen. Zumindest beteuerte er dies mantrahaft regelmäßig. Außerdem brauchte er das Geld für seine kranke Mutter. Meistens blieb Beatrix allerdings zu Hause, wenn es Mohamed in das Nachtleben zog.

Die Mieten waren in den letzten Jahren natürlich schon arg nach oben geschnellt. Genau genommen um fast 120 Prozent die letzten 7 Jahre. Da Beatrix inzwischen gut verdiente, war ihr diese Kostensteigerung recht egal. Ein Kiez mit hohen Wohnkosten hatte nämlich durchaus auch seine Vorteile. Es hielt solche Versager wie vorhin vor dem Supermarkt fern. Und alte Menschen leben doch meistens lieber im grünen.

Vor ihrem generalsanierten Wohnblock legte sie ihren Daumen auf einen Sensor. Wie von Geisterhand gesteuert öffnete sich die im Bauhaus Stil gestaltete Eingangstüre. Das Treppenhaus war dezent, aber perfekt ausgeleuchtet. Für die Treppenhausbeleuchtung hatte der neue Investor extra einen Light Artist aus Mailand verpflichtet. Als sie damals einzog, spendeten hier noch profane und zumeist vergilbte Neon Leuchten Erleuchtung. Ihre Einkäufe zog Beatrix mittels eines Trollys hinter sich her. Sie freute sich auf Essen. An ihr Sodbrennen hatte sie sich inzwischen gewöhnt.

Selbst der Aufzug hatte eine General Überholung erhalten. Der einst simple 70er Jahre Stil der Marke höchstens 8 Personen mit 500 kg. Leibesfülle war einem eleganten Hybrid aus Tradition und Moderne gewichen. Modernste Digital Technik , welche ihren Dienst in einem im Chandler Stil der 40er Jahre gebauten Aufzug verrichtete.
Beatrix fand diese Veränderungen toll. Auch die unauffälligen und überall im Treppenhaus angebrachten Überwachungskameras störten sie nicht. Sie waren perfekt in die Architektur integriert und gaben ihr ein Gefühl von Sicherheit. Jede Bewegung im Treppenhaus wurde aufgezeichnet und bis auf Wiederruf digital gespeichert. Im Bedarfsfall griff ein privater Sicherheitsdienst unmittelbar und schnell ein.Seit Beatrix in dem Haus wohnte, war hier noch nie ein Verbrechen passiert. Hierfür bezahlte sie gerne 90 Euro zusätzlich im Monat.

Ihre Wohnungstüre öffnete Beatrix gleichfalls mittels ihres Fingerabdruckes. Sie hätte zwar auch einfach ihren Schlüssel verwenden können. Ein normales Schloss besaß die filigran verglaste Türe nämlich auch. Die Fingerabdruck Variante fand sie aber deutlich schicker und erinnerte sie an diverse Ami Serien, welche sie sich zugegeben mehr als regelmäßig reinzog. Die meisten in ihrem Betrieb hatten derartige technische Spielereien zuhause nämlich nicht vorzuweisen.
Außer ihr konnten nur Mohamed und ihre Mutter Haus und Wohnung mittels einfachem Daumendruck betreten. Beatrix war dies eigentlich nicht sonderlich recht; hätte aber ansonsten in beiden Fällen eine Kränkung wegen fehlendem Vertrauen nach sich gezogen. Gerade Mohamed war in dieser Beziehung recht eigen.

In ihrer Wohnung befahl sie als erstes ihrem intelligenten Boxen System per Sprachsteuerung, dezente Hintergrundmusik zu spielen.

Es erklang 'I Will Always Love You' von Whitney Houston . Nicht ganz zufällig.
Ihre Boxen wussten wahrscheinlich mehr über Beatrix als sie selbst. Immerhin konnten nämlich auf ihr Surf- und Einkaufsverhalten im Netz zugreifen. Und dies über Jahre.
Außerdem hatte sie sich mit zwei ihrer Freundinnen des öfteren über die leider viel zu früh verstorbene Soul Diva unterhalten. Diese Gespräche waren dem Algorithmus der Boxen augenscheinlich nicht unerkannt geblieben. Boxen war sowieso ein fast schon herabwürdigender Ausdruck für diese tolle Erfindung. Hiermit konnte sie sämtliche ihrer Elektro Geräte intelligent per Sprache steuern. Gerade im Falle des Fernsehers fand Beatrix dies unglaublich cool. Zeige mir eine Doku – und zack – sofort war auf dem Bildschirm etwas zu sehen, was wirklich ihrem Geschmack entsprach. Sie liebte Technik, welche einem das Leben derart einfach macht.

Nachdem sie ihre Einkäufe in den im 50er Jahre Stil gehaltenen Kühlschrank einsortiert hatte, beschloss Beatrix, das es Zeit für bequemere Kleidung ist. Ihre Jeans rieb weiterhin rigoros an ihrem teilweise wund gescheuerten Bauch. Sie durfte später auf keinen Fall vergessen, Dr. W. Verschriebene Salbe auf die geröteten Stellen aufzutragen.
Außerdem hatte sie das Gefühl, das ihre Straßenkleidung nach Moder und Verfall roch. Auf der Supermarkt Toilette hatte sie sich sicher gefährliche Bakterien eingefangen. Beatrix schauderte leicht.

Ihr gleichfalls über intelligente Digital Technik verfügende Kleiderschrank empfahl ihr via beruhigender Frauenstimme daher den japanischer Kimono, welchen sie vorigen Monat bei einem bekannten Online Händler erstanden hatte. Diesen Vorschlag fand Beatrix in Anbetracht ihrer momentanen Verfassung mehr als angemessen. Obwohl noch nie in ihrem tatsächlich in Japan gewesen, hatte sie bereits zu Kindertagen ein Faible für dieses Land entwickelt. Mangas lass sie unglaublich gerne. Außerdem war er unglaublich bequem und kaschierte vortrefflich ihren Walroß haft aus den Fugen geratenen Bauch.
Beatrix zog sich aus und beförderte ihre heutige Kleiderwahl in ein Behältnis, welches ihre Anziehstücke anschließend sortierte, reinigte und wieder an die vorgesehenen Stellen in den Schränken beförderte.

Intelligent Clothing hieß dieses System, welches erst seit einem Jahr auf dem europäischen Markt eingeführt worden war.Sündhaft teuer aber im täglichen Konkurrenzkampf mit ihren Kolleginnen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Noch 43 Monatsraten und es gehörte bis auf den letzten Chip ihr. Dafür lohnte es doch zu arbeiten und Karriere zu machen. 


Die ersten 9 Kapitel als praktisches Ebook ?

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen