Donnerstag, 24. Januar 2019

Folge 010 (25.1.19)


#Serge Nimmersatt (Kapitel 10)


Auch in neoliberalen Zeiten macht zumindest in Deutschland fast jeder Supermarkt irgendwann zumindest für ein paar Stunden seine Pforten dicht. Für Serge und seine Kollegas bedeutete diese an sich begrüßenswerte Tatsache ein echtes Nachschubproblem. Den pünktlich um Mitternacht saßen sie mit einem Male komplett auf dem trockenen. Nichts mehr zu saufen. Leere Flaschen machten ihn immer etwas depressiv und traurig. Alles ist dann irgendwie vorbei. Leergut erinnerten ihn an seine Endlichkeit.
Eigentlich hatte er ja fast genug. Nach den kleinen Feiglingen war er vernünftig geworden und endlich auf Vodka umgestiegen. Seltsamerweise hatte ihn der Kartoffelschnaps aber eher wieder nüchtern gemacht. Wie auch immer – er wollte auf jeden Fall noch weiter saufen.
Seine Kumpels schienen ihm für dieses Vorhaben eher weniger geeignet. 


Hans Dieter lag bereits seit einer halben Stunde neben seiner Kotzlache und schlief. Na ja, warm genug heute Nacht – soll er halt weiter pennen. Zum Glück hatte der Filialleiter des Supermarktes heute frei und seinen Angestellten das Feld überlassen. Ansonsten wären wahrscheinlich längst die Bullen gekommen. Er beschloss dennoch, morgen vor einen anderen Supermarkt zum trinken zu gehen. Gras über die Sache wachsen lassen. Von dem fetten Fickfleisch hatte er die Autonummer ja notiert.

Serge kontrollierte seinen Geldbeutel und konnte mit Freude feststellen, das in ihm noch 20 Euro enthalten waren. Weiter saufen also gesichert. Aber am besten alleine. Rolf hatte nämlich keinen Cent mehr im Sack. Und Marcel in den meisten Kneipen, welche noch offen hatten, Hausverbot.
Er beschloss, eine Mischung aus Kneipe und Imbiss in Bahnhofsnähe aufzusuchen. Gerade um die Ecke und günstige Spritpreise. Und vielleicht gab es dort ja auch noch etwas zu ficken. Seine Nille brannte und jukte zwar immer noch wie Fegefeuer – aber für eine alte Alki Schlampe wird es wohl noch ausreichen. Er stellte sich vor, dem dicken Fickfleisch von vorhin in das Gesicht zu spritzen. Aber jetzt brauchte er erst einmal was zu saufen. Sein Arztbesuch stand ja erst um 10.15 an. 

Der Imbiss wirkte ungeputzt und schäbig. Eher klein geschnitten luden drei Tische zum Verweilen ein. Die Außenbestuhlung war um die Urzeit bereits aufgebockt. Kleine Bar mit weiteren sechs Sitzplätzen. Abgerundet durch zwei Spielautomaten und eine vor fett triefenden Mikrowelle. Helles Neonlicht. Geruch von Bier und Schweiß in der Luft.
Trotz unter der Woche und inzwischen weit nach Mitternacht war der kleine Laden beachtlich voll. Genau wie seine Gäste. Obwohl die vor fett triefende Mikrowelle vielleicht anderes vermuten ließe, besuchte dieses Etablissement niemand zur Befriedigung seiner kulinarischer Bedürfnisse. Dementsprechend lange lagen die Hähnchenschenkel auch bereits schon in der Fieberglas geschützten Auslage. Saufen; hier wollten alle nur saufen. Oder zocken und saufen.

Der Wirt, ein kleingewachsener Mann um die 60 und irgendwie an eine idealtypische Karikatur von Luis de Funes erinnernd, begrüßte Serge kurz, erinnerte ihn an einen alten Deckel von 7,80 Euro und stellte ihm dennoch einen Schnaps samt Bier auf den Tresen. Serge setzte sich auf den einzigen freien Barhocker und trank einen großen Schluck aus der eiskalten braunischen Röhre. Sein Magen krampfte sich kurz zusammen, doch der Gerstensaft blieb glücklicherweise unten. 

 

Beide Geldspielgeräte wurden von einem jüngeren und für die Gepflogenheiten des Etablissement sportlich elegant gekleideten Mannes bespielt. Augenscheinlich Türke; zumindest unterhielt er sich mit seinem daneben stehenden Kumpel in dieser Sprache. Eventuell aber auch Araber, welche türkisch sprachen. Ihre perfekt getrimmten Bärte glänzten förmlich vor Gel.

Erhitzt stritten sie sich über den trefflichen Gebrauch der Risikotaste :“Bruder, für 140 Euro musst du viel schneller drücken. Oder mach besser Karte – habe in geheimen Internet Forum gelesen – momentan immer schwarz, schwarz, schwarz, rot, schwarz“. Unbeirrt hämmerte der andere aber weiterhin auf die Risikotaste ein.
Ich muss nur schneller drücken; dann kriege ich 140 Euro. Ich schwöre“.
Da er für den geglaubten Anspruch des Automaten aber immer noch einen Tick zu langsam war und das aktuelle Guthaben bei gerade noch 1,50 Euro lag, schob er einen weiteren 20 Euro Schein in das Geldspielgerät.

Automat ist wie Frau – wenn du ran willst, musst du erst investieren. Ich spiele jetzt 1 Euro Fach. Mit 20 Cent pro Dreh denkt Maschine noch , das ich armer Hund bin. Abdul fährt 4er BMW und macht Business. Fahrer Job ist nur zum Spass“.
Stolz gestikulierend zeigte er auf einen silber matten und tiefergelegten Waagen, welcher auf dem einzigen Parkplatz vor der Lokalität abgestellt stand.
Weitere 20 Euro wurden in die empirische Überprüfung unterschiedlicher Risikoleiter Theorien investiert. Beide nukelten an ihrem Vodka Bull.

 
Serge fand, das der Anis Schnaps etwas arg verdünnt schmeckte. Zumindest merkte er von dem Gesöff nichts. Als er sein Stamperl geleert hatte, schenkte der Wirt ungefragt nach.
Ist von Sabine. Die hat heute Geburtstag“.
Von einem der drei Tische prostete Serge eine etwa 50 jährige Frau mit viel Schminke und wenig Zähnen zu. Zwei weitere Typen saßen mit ihr am Tisch, welcher die Last von vielen leeren Bier-, Wein und Schnaps Gläsern zu tragen hatte. Serge kannte die drei flüchtig. Trunkenbolde wie er selbst auch. 

Sabine hatte wohl sogar Abitur. Dann war sie aber vor 25 Jahren besoffen vom Motorrad gefallen. Ohne Helm direkt auf den Kopf. Seither etwas matschbirnig und tagsüber in einer Behindertenwerkstatt beschäftigt. Meistens aber am Wein saufen. Und wenn man seinem Kumpel Hans Dieter glauben konnte – leicht zu ficken. Serges von Nillenkäse geplagte Eichel brannte immer noch. Er spürte die Ahnung einer Erektion.
Der Wirt stellte billige Supermarkt Erdnüsse auf den Tresen. Umsatzmaximierung : salzige Nuss macht durstige Männer noch durstiger.
Sabine hatte bereits merkliche Sprachfindungsstörungen und forderte Serge vehement schreiend auf, sich gleichfalls an den Tisch zu setzen. Seit ihrem Unfall hatte sie Schwierigkeiten, ihrer Stimme eine angemessene Lautstärke zu verleihen. Entweder zu laut oder zu leise. Meistens aber deutlich zu laut. 

Nach weiteren sieben 20 Euro Scheinen fanden sich die zwei gegelten Bartträger endlich auf dem Olymp ihres Risiko Tasten verprügelns. Virtuelle Raketen zeigten sich auf dem Display – Trommelwirbel – die 140 Euro wiesen den Weg in den Automatenspieler Himmel.
Bruder, so musst du es machen. Wie bei Kitzler von Frau. Ich zeige dir noch einmal, wie das geht“.
Abdul buchte weitere 20 Euro auf und erhöhte auf 2 Euro Fach. Den zweiten Automaten ließ er per Vollautomatik auf 40 Cent Fach durchlaufen. Falls nötig, schob er einen weiteren Schein nach. Geld hatte er momentan genug. Sein Schlangenleder Geldbeutel platzte fast vor Scheinen. Die Geschäfte liefen ausgezeichnet.

Serge kippte seinen zweiten Schnaps, schnappte die halb geleerte braunische Röhre und kam Sabines Aufforderung nach. Sie roch penetrant nach günstig erstandenem Frauen Parfüm. Und reichlich gesoffenem Wein. Lippenstift und Make Up waren reichlich aufgetragen. Bluse einen Tick zu weit geöffnet. Glasige Augen und frisch gepimpte Fingernägel in hellrot.
Bestelle dir was zu saufen. Ich habe heute Geld bekommen“.
Serge setzte sich und kam ihrer Aufforderung in Form eines doppelten Vodkas samt Bier ohne weitere Widerrede nach. Das alte leerte er auf ex.
Ihre linke Hand gliet über seinen Oberschenkel. Mit der rechten prostete sie ihm zu.
Ich habe heute nämlich Geburtstag“.
Einer der anderen Typen am Tisch dämmerte vor sich hin. Seine Augen waren geschlossen ; er schnarchte regelmäßig unregelmäßig.
Serge stieß mit dem Geburtstagswrack an und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Sabine drehte ihm sofort den Mund hin. Sie roch etwas nach Zwiebeln. Etwas viel nach Zwiebeln. Und Knoblauch.

Typ Nr.2 klaute dem schlafenden einige Kippen aus der Schachtel und verzog sich zum rauchen nach draußen in den Biergarten. Er starrte auf die gegenüberliegenden Bahngleise und beobachtete den gerade vorbeirauschenden Fernzug. Zwei Bahnarbeiter machten es sich rauchend an den Parallelgleisen zu schaffen. Wartungsarbeiten bis 05.00 Uhr morgens.

Sabines Zunge war trotz ihres fortgeschrittenen Weinkonsums schnell wie eine Klapperschlange. Ohne Vorwarnung vorschnellend , hatte Serges von Ekzemen nicht unverschont gebliebener Mund keine Gelegenheit der Gegenwehr. Tiefer und tiefer erkundete sie seinen Mundinnenraum. Ihr linke Hand hatte seinen Hals ergriffen. Künstliche und viel zu lange Fingernägel bohrten sich in Nacken Fleisch. Leichte Schmerzen und Anzeichen von Würgen – trotzdem halb steifer Schwanz.

Der kleingewachsene Wirt und ein älterer Mann an der Bar stritten lautstark über Politik und die genaue Höhe eines alten Deckels. Obwohl beim Thema Politik selten ein Konsens zu erzielen ist und sich der Differenzbetrag um weniger als 1 Euro belief, gipfelte sich der Twist immer weiter zu. Beide schrien; beide hatten tomatenhaft rote Köpfe. Prinzipien Reiter in Reinkultur. Alle möglichen und unmöglichen Tiernamen wurden beidseitig durchexerziert. Blutdruck auf Rekordjagd.

Aus halb steif wird gelegentlich ganz steif und jedes Glas ist irgendwann einmal leer. Serge wollte saufen und gegebenenfalls ficken. Vor allem aber saufen. Trotz seines Streitgespräches bemerkte das Louis de Funes Double die Getränke Misere am Tisch quasi in Echtzeit. Da er wusste, das Sabine ausnahmsweise über ausreichend bares verfügte, goss er Serges Schnaps Stamperl sofort wieder voll. Eine weitere Flasche Bier fand seinen Weg auf den Bistro Tisch.
Für den Bruchteil von einigen Sekunden wurde das eigene Streitgespräch unterbrochen. Der beteiligte ältere Mann hielt sich gleichfalls an die kurze Waffenruhe.

Auch Sabine ließ kurz von Serge ab. Sie genehmigte sich einen großen Schluck aus ihrem Weißweinglas, schnappte sich eine ihrer Zigaretten und verzog sich zum Rauchen vor die Türe.
Da die Konzession des Etablissement auf Speiseimbiss lief, herrschte seit einigen Monaten im Inneren zum Leidwesen aller Rauchverbot. Typ Nr.2 starrte immer noch rauchend auf die Bahngleise. Sabine stellte sich neben ihn und zündete sich gleichfalls einen Glimmstängel an. Sie inhalierte tief. Ihre Haltung war leicht gebeugt. Für die nächsten Stunden würden keine Züge mehr vorbeifahren. Die Bahnarbeiter konnten in Ruhe ihre Arbeit verrichten.

Serge beobachtete das Treiben vom Tisch aus und war froh, für einige Minuten seine Ruhe zu haben. Er nahm einen kleinen Schluck aus seinem Vodka. Nach dem Termin bei Dr. W wollte er wieder vor einen Supermarkt zum saufen. Das annehmbare Wetter etwas ausnutzen.Wenn alles normal lief, würde er einen Teil der verschriebenen Tabletten sofort wieder verkaufen.

Hans Dieter war ziemlich auf dem Geier und hatte dank regelmäßiger Einkäufe bei der Tafel noch genug Geld übrig. Aber morgen ist Zukunftsmusik und heute schien der Vodka nie leer zu werden. So gefiel ihm das. An sein Magen Brennen hatte er sich seit Jahren gewöhnt. Er dachte kurz an das dicke Fickfleisch aus dem Supermarkt. Der Zettel mit ihrer Autonummer lag in seiner Hosentasche.
Sabine und der andere Typ befummelten sich draußen vor der Türe; Wirt und älterer Mann waren weiter in ihren nicht enden wollenden Streit vertieft. An den beiden Geldspielautomaten wurde weiter auf hoher Fachzahl weiter geballert. Die Risikoleiter hatte sich bereits seit längerem in den Feierabend verabschiedet. Die beiden perfekt getrimmten Bartträger schien dies nicht weiter zu interessieren.
Mehr Vodka wollte in Serges Magen. Die Gelegenheit heute würde er nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Nach einigen Minuten kam Sabine alleine wieder zurück in den Laden. Typ Nr.2 hatte sich ohne weitere Erklärung torkelnd und schimpfend in die Nacht verabschiedet. Ihr Gang wirkte unkoordiniert; mit Mühe traf sie ohne weitere Komplikationen ihren Sitzplatz. Der Schläfer döste noch immer. Seine überdimensioniert wirkende Zunge hing ihm leicht aus dem Mund. Mittelfristig drohte er vom Stuhl zu rutschen.
Gefliester Boden mit Fett Schlieren. Vor einer Woche zum letzten Mal durchgewischt.

Mit den Worten „Was für ein Arschloch“ griff Sabine nach ihrem Weinglas und nahm einen tiefen Schluck. Rotze lief ihr die Nase herunter. Ohne weitere Vorwarnung griff sie wieder nach Serges Nacken und begann erneut , ihre immer noch wendige Zunge in seinen Mund zu schieben. Er erwiderte ihr Ansinnen und griff mit seiner rechten Hand unter ihren khakifarben Pullover. Einen Büstenhalter trug sie nicht. Die großen Brüste fühlten sich etwas teigig an. Überdimensionierte Brustwarzen, welche sich rasch aufrichteten.
Sie griff ihm in den Schritt. Ungewaschenes Segel immerhin halb aufgerichtet. Die entzündete Eichel schmerzte. Egal. Ihr Speichelfluss war nicht von dieser Welt. Zwiebelreste wechselten die Münder. Serges Mundekzeme schmerzten leicht. Hiergegen half aber mehr Vodka. Außerdem hatte er noch Schmerztabletten zu Hause. Diese hatte ihm der Herr Doktor beim letzten Besuch förmlich aufgeschwatzt. Trotz aller Sauferei heute waren seine Eier bis zum Anspannen geladen. Serge bildete sich ein, das seine Eichel fortwährend Sperma gegen seine bereits gelbliche Unterhose schleudern würde. Vielleicht war es auch Eiter Sekret – aber was spielte das auch für eine Rolle.

Die anderen Gäste waren in ihrer eigenen Welt gefangen. Serges und Sabines gab es hier fast täglich; das eigene leere Glas wichtiger. Einer der getrimmten Bartträger verließ die Lokalität zum telefonieren. Pathetisch gestikulierend redete er auf sein Smart Phone ein. Ein Streifenwagen mit eingeschaltenem Blaulicht fuhr mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Bahnhof. Hiervor lagen bereits die Tageszeitungen des nächsten Tages zur Abholung bereit. In 2 Stunden würde der Imbiss für eine Stunde schließen. Dann würde sich das Spiel wieder wiederholen.

DrW räkelte in seinem geräumigen Bett, schlief tief und träumte von einer weiteren Vergrößerung seiner Praxis. Seine 7 Zimmer Wohnung befand sich in einer verkehrsberuhigten Nebenstraße inmitten der Altstadt. Gehobene Wohngegend; Studenten lebten hier schon lange nicht mehr. Selbst für die Fraktion „Mein Papi hat eine Praxis /-Kanzlei und sucht mich als Nachfolger“ war der Kiez zu teuer.
Dr W hatte es geschafft. Endlich floss das Geld – vorbei die Zeiten, als sich bestenfalls 1 Patient pro Stunde in seine Praxis verirrte. Er gehörte jetzt dazu. Nur die Krankenkase tadelte ihn gelegentlich. Sein Rezept Aufkommen war zugegeben etwas stark über dem regionalen Durchschnitt. So lange aber deren Geld pünktlich floss, war ihm dies relativ egal. Er gab den Menschen einfach das, was sie wollten. Endlich konnte er sich auch gebührend um sein Steckenpferd kümmern. 

Schwedentrunk Sozialpunkte 2.0 als E - Book ? Teil 2 ist erhältlich ...

 









 








 

 

Sonntag, 13. Januar 2019

Schwedentrunk : Sozialpunkte 2.0 Band 2 erschienen

Seit heute Sonntag (13.1.19) gibt es den zweiten Band von Dr. Kleinschmied zu ordern. Enthalten sind diesesmal die Kapitel 10 - 12. Auch dieses mal gilt : für Leser/-innen unter 18 oder empfindlichem Magen nicht geeignet .. Feuer frei aus sämtlichen Körperöffnungen...



Samstag, 5. Januar 2019

Folge 009 (5.1.19)


#Beatrix tut Buße (Kapitel 09)

 

Jeder muss für seine Sünden Verantwortung übernehmen. Beatrix stand auf, verließ die Küche und wankte in Richtung Toilette. Ihr Magen fühlte sich wie ein Fußball an, welchen man zu lange der Ballpumpe überlassen hatte.
Selbstverständlich war auch dieser ganz in rosa gehaltene Raum mit moderner Digitaltechnik ausgestattet. Vollautomatische Lichtregulation; beim Betreten des Raumes wurde präventiv eine Reinigungsflüssigkeit in die Toiletten Schüssel gegeben.
Beatrix fixierte ihre halblangen blondierten Harre mittels eines schwarzen Haargummis. Sie betrachtete sich in dem über dem Waschbecken angebrachten Jugendstil Spiegel. Immer noch Yufka Reste und Soße um ihren Mundwinkel. Das Make Up hatte fast komplett aufgehört, zu existieren. Verschmierter Lippenstift. Beatrix zog ihren Kimono aus und war jetzt komplett nackt. Sie streichelte über ihren komplett aus den Fugen geratenen Bauch. Das Fleisch fühlte sie kalt an. Tod. Brustwarzen immer noch seltsam aufgerichtet; rote Streifen um die Fett Wucherungen. Der Wasserhahn spendete kaltes Wasser. Es lief über ihre verschwitzten Hände. Flüssig Seife gegen die Bakterien. Auch hierfür gab es Payroll Punkte. Seife, nichts als Seife. Das Wasser entfernte sie restlos.
Ihre Brüste erinnerten sie an Melonen der Handelsklasse D. Beatrix öffnete den kleinen Schrank unter dem Waschbecken. Die automatische Beleuchtung funktionierte hier auch tadellos. Sie entnahm eine 100er Packung mit Einmal Fingerlingen aus Latex. Die Packung war halb leer. Doppelte Zahl an Payroll Punkten. Je einen stülpte sie über Mittel- und Zeigefinger ihrer rechten Hand. Der Schutz passte trotz ihrer Wurstfinger perfekt. Auf keinen Fall den Nagellack ruinieren. Scham Behaarung bereits wieder einen Tick zu lang. Vielleicht wäre erneutes waxing doch eine Alternative.

Der Magen hämmerte im Schranz Style. Sie versuchte aufzustoßen ; Fehlanzeige. Raumtemperatur angenehme 23 Grad. Beatrix kniete sich vor die Toilettenschüssel. Das Rosarot glänzte wie im Werbefilm eines Toiletten Reinigung Herstellers. Nicht einmal den Ansatz einer Verunreinigung konnte sie erkennen. Eine Toiletten Schüssel, aus welcher man sogar essen könnte. Saubere Schüssel – der Stolz eines jeden Haushaltes. Hochglanz Werbe Prospekt. Beatrix war stolz. Toilette - der ewige Kreislauf von Nahrung. 

 

Perfekt day“ von Lou Reed aus den intelligenten Boxen. Das Latex der Fingerlinge war Geruch neutral. Zeige- und Mittelfinger berührten Beatrix heute früh noch frisch geschrubbte Zunge. Immer tiefer in den Hals. Mit der linken Hand massierte sie ihren aufgequollenen Bauch. Ihr Gurgel Zapfen fühlte sich entzündet und krank an. Sie musste ihn reizen; herausfordern. Tränen Fluss in den Augen. Noch einmal.
Rhythmisch bewegte Beatrix ihren rechten Mittelfinger. Vor- und zurück. Tiefer; immer tiefer. Lediglich verstärkter Speichelfluss – sonst nichts. Sonst klappte derlei immer viel besser.
Sie musste für ihre Sünden bezahlen. Beatrix stand auf und setzte sich auf die Schüssel. Fast rostiger Urin Fluss. Reichlich. Sie griff nach dem gleichfalls rosaroten Zahnputzbecher mit Manga Motiv. Auch dieser strahlte vor Sauberkeit. Steril Bakterien Frei.
Beatrixhielt ihn in die Toiletten Schüssel und versuchte, hinein zu pinkeln. Ihr mächtiger Bauch erschwerte dieses Unterfangen zusätzlich. Warmer Saft und Hand machten Bekanntschaft. Immerhin ein Teil fand den Weg in den Becher. Halbvoll; höchstens. Sie presste nach. Ein paar Spritzer; sonst nichts. Bariton Gasentladung aus dem Rectum. Inhaltsleer. Bauch nahe am platzen.

Beatrix stand auf und kniete sich wieder vor die Toiletten Schüssel. In der Linken hielt sie den halb voll gepinkelten Zahnputzbecher. An den Fingern riechen. Der Urin war nicht Geruchs neutral. Bestialischer Geruch. Würgen, doch das große Fressen will sich nicht zeigen. Auch die Fingerlinge rochen nach Pisse. Trotzdem noch einmal in Richtung Gurgel Zapfen. Wenigstens ein kleiner Strahl, welcher so etwas wie Lasagne vermuten ließ. Die Peperoni war praktisch unverdaut. Trotzdem Hoffnung.

Zahnputzbecher angesetzt und in einem Zug gelehrt. Würgen, Würgen und nochmals Würgen. Katharsis in Form einer gewaltigen Fontäne. Kreislauf von Nahrung. Reingewaschene Schuld. Mehr, Mehr, immer mehr. Sie durfte jetzt nicht nachlassen. Beatrix enttäuschte sich nicht; eine weitere Salve wurde durch ihre Speiseröhre nach oben geschleudert. Bitterer Nachgeschmack.
Das vollautomatische Geruch Regulierung System hatte in der geräumigen Toilette alle Sensoren voll zu tun. Die Musik Untermalung der intelligenten Boxen war zur Nebensache geworden. Trotzdem taten diese immer noch zuverlässig ihren Dienst. Selbst aus Beatrix Nase trat Rotze. Rectum gleichfalls nicht untätig. Alle Körperöffnungen vermeldeten Feuer frei.
Sehr dunkler Kot im Aggregatzustand einer Schweizer Trinkschokolade fand seinen Weg auf den vormals noch vor Sauberkeit strotzenden Fußboden. Durch ihren Mund kübelte halbverdautes Essen. Reste von Pisse mischten sich mit der selbst produzierten Schweizer Trinkschokolade . Ihr Magen fühlte sich jetzt merklich leerer an. Bauch erkaltetes wertloses Fleisch. Sie zitterte am ganzen Körper. Läuterung, aber Kopffarbe einer Hochland Tomate. Mission trotzdem vollendet – was Beatrix anpackt, schafft sie eben auch. Ein kurzer Anflug von Stolz. Aber auch Beschämung.

Keine Zeit, zum innehalten. Ihre Mutter oder Mohammed durften auf keinen Fall etwas mitbekommen. Also putzen, putzen und nochmals putzen. Zuerst einmal sich selbst. Nachdem sie mittels einiger Feucht Tücher notdürftig ihr verkotetes Hinterteil gereinigt hatte, machte sie sich auf in Richtung Badezimmer.

Die Spuren ihrer Katharsis würde sie anschließend wegputzen. Pfütze ihres Durchfalls aber sofort. Nicht, das man sie nachher noch in Flagranti erwischt. Scham und immer noch genügend Feucht Tücher in der Packung. Also wieder zurück in den Toiletten Raum. Sie durfte jetzt nicht unlogisch werden. Rasender Puls. Die eigenen Ausscheidungen brachten sie wieder leicht zum Würgen. In der kurzen Zeit konnte das vollautomatische Geruch Regulierung System nicht viel ausrichten.
Vor der Toilette eine größere Lache sehr dünnem Stuhlgang. Durch rostigen Urin weiter aufgeweicht. Unverdautes Paprikastück als Sahnehaube. Beatrix näherte sich vorsichtig ihrem Werk. Barfuß, kleine Schritte – bitte keine Spuren an die Füße. Feucht Tuch als Waffe. Aber bitte doppelt. Sie musste den Kampf gewinnen. Der Weg zurück war jedes Mal am schwierigsten.
Das Tuch war sofort sehr aufgeweicht und damit unbrauchbar geworden. Schwarz braune Farbe – würgender Geruch. Mit Schwung ab damit in die Toiletten Schüssel. Kotzbrocken getroffen und in die Tiefen der Kanalisation versenkt. Nächste Runde, frisches Feucht Tuch. Ihre Ausscheidungen waren hartnäckig. 
Beatrix musste an Albert Camus und seinen Mythos von Sisyphos denken. Pflichtlektüre damals im Französisch Leistungskurs. Er hatte wenigstens nur mit Felsbrocken zu kämpfen.

Die intelligenten Boxen hatten sich inzwischen abgeschalten – oder besser gesagt, waren in den Stand By Modus gewechselt -, da es 01.30 Uhr geworden war. Normalerweise ihre typische zu Bett geh Zeit.
Noch bevor die Feucht Tücher komplett alle geworden waren, hatte sich der flüssig Stuhl in seinen ihm gesellschaftlich zugestandenen Ort verabschiedet. Sie änderte ihren Handlungsplan daher in zuerst zu Ende putzen und danach in der Badewanne den Körper reinwaschen. Die Hände desinfizieren auf keinen Fall vergessen. Das Desinfektionsspray hatte ihr schließlich 20 Payroll Punkte eingebracht.
Kleine Kot Spritzer an der rechten Hand. Ekelhaft. Später in der Firma musste sie funktionieren. Sie begutachtete ihren ballonhaften Bauch. Ob auch wirklich alles wieder fort war ? Toilettenreiniger musste in die Toilette. Und zwar viel. Im Toiletten Schrank eine XXL Packung. Rein damit – so wie jedes mal. Einwirken lassen. Hoffentlich wirken später die Schlaftabletten von Dr. W. Einen Steifen hatte sie noch. To do Liste : morgen unbedingt an ein neues Rezept denken. Puls immer noch viel zu schnell.

Mohamed war zufriedener als zufrieden. Euphorische Kundschaft und beinahe ab verkaufter Warenbestand. Und dies um noch nicht einmal 2 Uhr morgens.
Er überlegte kurz, ob er bei seinem Landsmann telefonisch Nachschub ordern sollte. Wach war der unter Garantie noch. Nachts experimentierte er nämlich meistens an der chemischen Zusammensetzung von neuen Produkten. Die Konkurrenz schläft nicht – immer die besten Pillen zum besten Preis. Und in dieser Beziehung gab es kaum einen besseren. Kein Vergleich zum dem gestreckten und überteuerten Zeug, was er früher zu Hause an Touristen verkauft hatte.
Mohamed entschied sich allerdings dann doch gegen eine telefonische Kontaktaufnahme. Eine gesunde Paranoia hatte in den letzten Monaten von seinem Geist Besitz ergriffen. Nachher hören die Bullen noch sein Smart Phone ab. Telefonieren ist viel zu riskant. Die Geschäfte mussten schließlich noch lange weitergehen. Falls nötig, muss er halt der Dicken einen Heiratsantrag machen. Aber heute gewiss nicht mehr. Ihm war jetzt eher nach feiern. Der DJ hatte ihn für später auf eine Line Koka eingeladen. Warum eigentlich nicht ? Mohamedfühlte sich leicht müde. Etwas zum aufputschen ist diesbezüglich sicher kein Fehler. Er war in feindliches Land zum siegen ausgezogen.

Beatrix hatte inzwischen ihre Toilette wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzt . Ihr Körper sollte als nächstes folgen, daher folgte folglich der Besuch des Badezimmers. Obwohl sie sich ausgelaugt, müde und schuldig fühlte – ohne zu baden hatte sie keinen Schlaf verdient.

Auch in diesem Funktionsbereich der Wohnung wurde das meiste von moderner Digitaltechnik geregelt. Mehrere Badeprogramme standen zur Auswahl. Sie entschied sich für „Relax and Sleep“. Wohltemperiertes Wasser mit optimal abgestimmten Essenzen fanden vollautomatisch ihren Weg in die weiße und an die Epoche des Jugendstils angelehnte Badewanne. Parallel meldeten sich auch die intelligenten Boxen wieder zu Gehör. Und zwar mit indischer Meditationsmusik aus den 70er Jahren.

Um wieder etwas herunter zu kommen, genehmigte sie sich vor dem Bade eine Tavor 1,0 mg. Schließlich musste sie ja irgendwann auch noch schlafen. Und zwar ohne Angst. Dr. W. würde ihr morgen sowieso wieder ein neues Rezept geben. Bislang hatte es diesbezüglich noch nie Schwierigkeiten gegeben. Nach der Badewanne durfte sie aber auch die Schlaftablette nicht vergessen. Bei der Arbeit wollte sie auf jeden Fall fit wirken. Morgen würde sicher auch wieder ihre Mutter anrufen. Oder gar vorbeikommen. Sie musste für alle Fälle gewappnet sein. Nicht aus der Rolle fallen.

 


Die ersten 9 Kapitel als praktisches Ebook ?

 

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Folge 008 (27.12.18)


#Beatrix und das große Fressen (Kapitel 08)


Der Kimono fühlte sich samtig weich auf ihrer nackten Haut an. Ohne BH kam sich Beatrix sichtlich befreit vor. In der Küche wartete Labsal für ihre täglichen Strapazen. Eines der Schinken Croissants musste als erstes den Weg in ihren fordernden Magen antreten. Von seiner Quantität war es zwar etwas knapp bemessen ; geschmacklich aber für Supermarkt Ware vorzüglich.
Beatrix schenkte sich ein großes Glas koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk ein. Eisgekühlt rutschte dies in einem Zug durch ihre Speiseröhre. Das zweite Croissant folgte dem ersten – die Lasagne bereitete sich im Backofen auf ihr Schicksal vor.
Ihr Boxensystem spielte lustige und weniger lustige Lieder der neuen deutschen Welle. Gerade war „Goldener Reiter“ von Joachim Witt an der Reihe. Vorsorglich nahm Beatrix eine Tablette gegen ihr Sodbrennen. Und noch eine zur besseren Verdauung.
Sie beschloss, das ein Teil des Nachtisches durchaus vor dem Hauptgang erfolgen konnte. Der Sahne Pudding verlangte nach mehr ! 2 Becher jetzt – die anderen beiden zum Abschluss !

Ihr Smart Phone klingelte. Hierzu war aber momentan keine Zeit. Sie fühlte sich bereits merklich besser. Ein Gespräch mit ihrer Mutter oder Mohamed würde dieses Gefühl nur wieder in das Gegenteil umkehren. Alles zu seiner Zeit.
Der Backofen meldete sich per Sprachmitteilung, das die Lasagne in 5 Minuten zum Verzehr bereit sein wird. Genügend Zeit also für ein weiteres Croissant ! Die gekauften Burger sahen interessant aus – später gerne mehr. Ein weiteres Glas koffeinhaltiger Erfrischung befeuchtete ihre Magenwände. Morgen würde sie wohl mehr Croissants kaufen müssen. Hierfür gab es ja schließlich auch Payroll Punkte. Beatrix ärgerte sich über sich selbst, da sie ganz vergessen hatte, ihren heutigen Einkauf diesbezüglich nachzuprüfen.
Die XXL Lasagne ließ dieses Malheur allerdings schneller vergessen als die Käsekruste angeschnitten war. Goldbraun und herrlich duftend lag sie auf ihrem mit japanischen Ethno Motiven verzierten Teller. Die intelligenten Boxen hatten sich für „Big in Japan“ vonAlphaville entschieden. Ob dies an ihrem Teller oder doch eher Kimono lag, wusste wohl nur der das Gerät steuernde Algorithmus. Der von Beatrix war eindeutiger und ließ sich trefflich mit möglichst viel und schnell schnabulieren zusammenfassen. Die XXL Lasagne war jedenfalls schneller herunter geschlungen als aufgebacken. Die blaue Tablette konnte ihrem Sodbrennen nur teilweise Herr werden. Die Doppel Burger lachten sie dennoch an. Nach einem weiteren Sahne Pudding war das weitere Schicksal dieser besiegelt. Backofen; danach ab in die Speiseröhre. Zuvor allerdings noch zwei Kugeln Vanille Eis mit Sahne. Ein herrlicher Kontrast zu der würzigen Lasagne.
Ihr Bauch fühlte sich etwas aufgebläht an – aber egal. Heute schmeckte es ihr vorzüglich. An Aufhören wollte sie überhaupt nicht denken.

Bereits heute früh während des Meetings hatte sie an Essen gedacht. In Gesellschaft nahm sie sich diesbezüglich immer etwas zurück. Klar, einen Nachtisch hatte sie sich in der Mittagspause schon noch genehmigt. Dafür aber nur das vegetarische Hauptgericht. Niemand in der Firma sollte auf die Idee kommen, Beatrix wäre eine maßlose Esserin. Ihre Notration an Schoko Riegeln hielt sie in ihrer hinteren Schreibtisch Schublade für ausreichend gut versteckt. Länger als zwei Tage lagen sie hier sowieso nie. Und immer noch besser als die Flachmänner, welcher Herr Häberle aus der Buchhaltung in seinem Spind gebunkert hielt.

In Sachen Doppel Burger vermeldete der Backofen mittels einer beruhigenden Frauenstimme baldige Verzehrbereitschaft :“Der Backvorgang ist in 120 Sekunden abgeschlossen“.
Beatrix war voller Vorfreude und gierte durch dessen Glasverkleidung. Prachtvoll aufgebacken und fast wie auf der Umverpackung abgebildet. Payroll Punkte gab es hierfür dazu noch. Perfekt verlaufener Käse. Saftiges Rindfleisch. Und anschließend noch eine Kugel Eis. Speichelfluss. Verzehr Zeit. Jetzt. Der eigentlich viel zu heiße Burger wanderte rasch in Richtung Magen. Ihre Zähne benützte Beatrix hierfür nur 2 mal. Der Duden würde für diesen Vorgang wohl das Wort herunter schlingen empfehlen.
Nicht schlimm – Portion Nr.2 stand ja noch dampfend bereit.
Sie löschte ihren heiß gelaufenen Hals wiederum mit einem mittleren Glas koffeinhaltiger Limonade. Beatrix musste leicht aufstoßen. Derartiges war sie seit Jahren gewohnt.
Für den zweiten Happen wollte sie sich mehr Zeit lassen. Letzte Züge von Genuss. Sie zählte im Geiste bis 12. Kurze Pause. Jetzt nur ein kleiner Biss. Ganz langsam. Ihr Mund versank tief in dem Burger. Ihr Mund war voller wohl durchgebratenem Rindfleisch. Geschmack von gebratenen Zwiebeln – herrlich. Das herunter Schlucken flutete ihren Körper mit einer warmen Wonne. Eine zweite Packung wäre fantastisch.

Ihre intelligenten Boxen spielten gute Laune Hip Hop von den fantastischen Vier. Sie fand, das es Zeit für eine Kugel Vanille Eis ist. Natürlich mit Sahne. Beatrix musste schmunzeln. Sprühsahne gehörte zu der Grundausstattung ihres Kühlschrankes.

Vor Mohamed hatte sie heute ihre Ruhe – der wollte heute Nacht nämlich zu einer Elektro Party in die Südstadt. Soll er doch – mit seiner Drogen Scheiße wollte sie sowieso nichts zu tun haben. Beim Essen brauchte sie ihre Ruhe. Das Eis schmeckte grandios. Sie öffnete ihren Kühlschrank. Die Milchschnitten hatte sie ganz vergessen. Eine ist keine. Die Salami vom Feinkost Italiener lag im Fach darunter.
Ihr fiel das heute gekaufte Frauenmagazin ein. Lesen konnte sie immer noch. Die Salami ließ sich mit ihrem japanischen Küchenmesser problemlos kleinschneiden. Was für eine feine Pfeffer Ummantelung ! Brot würde den Genuss nur schmälern. Zum Glück hatte sich der Feinkost Laden bereits Anfang Jahres dem Payroll Verbund angeschlossen. Eine weitere Milchschnitte zum Kontrast. Ein Jammer, das sie Croissants bereits alle waren ! Ihr aufgeblähter Bauch fühlte sich kalt an.

Beatrix beschloss, aus ihrer smarten Kaffeemaschine eine große Tasse Cappuccino herauszulassen. Smart übergab diese ihren Pulver Bestand an die Datenbank eines großen Online Händlers. Bald würde sie hier wieder vollautomatisch eine neue Bestellung aufgeben. Beatrix fand es wunderbar, das sie sich um ihren Kaffee Vorrat keine Gedanken mehr machen musste. Alles regulierte vollautomatisch der Vollautomat !
Weniger wunderbar ihr doch etwas sparsamer Einkauf von vorhin. Einen Yufca hätte sie durchaus noch vertragen können. Zu dem Cappuccino genehmigte sie sich noch eine Milchschnitte. Nichts halbes und nichts ganzes.
Da ihre Küchenuhr im Bahnwärter Haus Design gerade einmal 22.53 anzeigte, griff sie zu ihrem Smart Phone. Der türkische Bring Dienst um die Ecke lieferte bis 02.00 Uhr. Letztes Mal hatte die Lieferung ganze 25 Minuten gedauert. Payroll Punkte lachten zusätzlich. Am besten noch eine kleine Pizza als Vorrat.

Ihr Sodbrennen nahm Beatrix momentan nicht mehr wahr. Welch quälende Warterei ! Sie zündete sich eine ihrer Slim Light Zigaretten an und blätterte etwas in der Berlin Woman. Obwohl sich die Zeitschrift laut Eigenaussage ein normales Frauenbild auf den Redaktions Kodex geschrieben hatte, waren nur Modelle mit top proportionierten Körpern zu entdecken. Sicher , hier und dort eine angedeudete Rundung - aber wirklich füllige Frauen Fehlanzeige. Beatrix bohrte mit dem Mittelfinger in ihren Bauch. Dieser war alsbald fast bis zu den Fingerwurzeln in Speck Ansammlungen versunken.

Kochrezepte gab es in der Publikation auch. Die angepriesene vegane Küche war höchstens ein Fall für ihre Mittagspause. Das Nikotin der Zigarette regte ihren Appetit weiter an. Den eigentlichen Kaufgrund der Berlin Woman überblätterte sie gelangweilt. Sie brauchte dringend etwas zu essen.

Dann das erlösende Klingeln an der Haustüre. Schnell eine Milchschnitte zum herunterkommen. Speichelfluss in ihrem Mund. Ihre Brustwarzen waren leicht angeschwollen. Sie knöpfte ihren Kimono bis zum Hals zu. Zum heraus Kramen eines Büstenhalters war jetzt keine Zeit. Beatrix wurde leicht unruhig. Trotzdem musste sie auf Nummer Sicher gehen. Sie gab ihrem intelligenten Boxen System sprachlich zu verstehen, das sie ein Überwachungsbild des Hauseinganges wünsche. Sofort war auf ihrem Fernseher das gewünschte zu sehen.

Nämlich ein Yufca Bote, welcher gerade mit einem großen Karton unter dem Arm aus einem E Mobil mit Werbeaufschrift stieg. Sie kannte den Mann. Es war Abdul, Mitte 20 und seit 2 Jahren bei dem Bring Dienst als Fahrer beschäftigt. Ein Türke mit Doppelpass, idealtypisch modisch leger gekleidet und zumindest auf dem Papier gläubiger Moslem.
Da sich Beatrix ein paar Mal mit ihm unterhalten hatte, kannte sie ihn etwas. Mohamed kannte ihn sogar etwas besser. 
 
Sein Lebensstil ließ sich wohl am besten mit den Kürzeln M.S.D beschreiben. Zuerst Freitagsgebet in der Moschee , anschließend Risikoleiter in der Spielothek – zum Abschluss dann Frauen abchecken in der Disko. Selbstverständlich unter Zuhilfenahme von alkoholischen Getränken. Trotz seiner Widersprüche fand Beatrix den Kalorienlieferanten ganz sympathisch. Wahrscheinlich auch, weil der Grund seiner Besuche stets mit Essen verbunden war.

Abdul stolzierte die Treppe hinauf und präsentierte Beatrix das Gewünschte mit einem galanten Knick. Sie hatte jetzt weder Zeit noch Lust für ein Gespräch. Pizza und Yufka lagen zum Greifen nahe. Es duftete herrlich durch den kitschig bedrucken Karton. Jetzt nur keine Zeit verlieren. Sie zückte ihr Smart Phone – Garry Copper hat in 12 UhrMittags seinen Colt nur unwesentlich schneller gezogen - zum Bezahlen. Bargeld hatte Beatrix seit Monaten nicht mehr verwendet. Abdul verstand ihre Körpersprache und quittierte die Bestellung kurz. Er lächelte süffisant .
Aus einer Fehldeutung der Bestellung schloss Abdul wohl auf ein geplantes Schäferstündchen mit Mohamed. Zum Abschluss wünschte er viel Spaß und drückte Beatrix die noch dampfende Umverpackung in die Hand.

Schnell wieder zurück in die Küche. Sie knöpfte ihren Kimono bis knapp über ihre Brüste wieder auf. Entlich wieder Nachschub. Essen, Essen. Beatrix setzte sich auf ihren Panton Lounge Hocker. Stolzerweise ein Original aus den 70er Jahren und kein billiges Relikt aus dem Möbelhaus um die Ecke. Es hatte lange gedauert, bis sie dieses Lieblingsstück entlich gefunden hatte. Auf einer Antiquitäten Plattform im Netz. Fünf Jahre besaß sie den Hocker jetzt schon. Damals war ihre Welt noch etwas einfacher gewoben gewesen. Beatrix hielt kurz inne.

Die intelligenten Boxen hatten sich für „ As time goes by“ von Frank Sinatra entschieden. Aus dem Klassiker Cassablanca. Bestimmt bereits ein Dutzend mal gesehen.. Neben Mangas war der amerikanische Film der 30er und 40er Jahre eine ihrer Passionen. Bogart, E.C. Robinson und wie sie damals alle hießen. Standhafte Männer in einer gebrochenen Zeit.

Der Yufka schmeckt heiß am besten. Die Pizza später. Trotz ihrer Blähungen griff Beatrix folglich erneut zu ihrem japanischen Küchenmesser. Mit einem präzisen Schnitt teilte sie die türkische Teigtasche in zwei Teile.
Die Füllung sah vielversprechend aus. Viel Fleisch; Gemüse nur zur Geschmacksstabilisation. Ein extra großer Kawenzmann. Der Teig nicht zu dick. Sie griff in die eine Hälfte und biss gierig hinein. Ihr Mund war voller Speichel.
Die Küchenuhr zeigte 23:22 Uhr an. Ihr Herzschlag erschien einen Tick zu schnell. Kauen und genießen. Herzhaft frischer Geschmack. Der Speisebrei in ihrem Mund schmeckte nach Zwiebeln. Herunter Schlucken, dann sofort einen Bissen nachlegen. Beatrix Hände zitterten leicht. Leichte Schweißbildung an ihnen. Gefühl von Ekel.
Zum Feuchttücher holen hatte sie jetzt keine Zeit. Nachher. Die Bakterien mussten später restlos entfernt werden. Der Yufka durfte aber nicht kalt werden. Nur nicht an das blöde Sodbrennen denken. Ihre Abbeiss Frequenz wurde immer schneller. Yufka Soße lief ihr die Mundwinkel herunter. Beatrix Magen brannte etwas. Das große Glas Zuckerwasser mit Coffein Zusatz half diesbezüglich nur wenig. Trotzdem weiter schlingen. Sie konnte jetzt auf keinen Fall aufhören. Nie mehr aufhören.

Die intelligenten Boxen spielten dezente Klassik zur Untermalung. Diverse Payroll Punkte versuchten gerade vergeblich, sich in Beatrix Magen zu verdauen. Die zweite Yufka Hälfte wartete auf ihre Hinrichtung.

Mohamed vertickte gerade auf einer Elektro Party für 20 Euro Pillen. Extasy, welches er von einem Landsmann – Chemie Student im 6 Semester – günstig erstanden hatte. Bereits das vierte Theken Geschäft an diesem Abend. Bis 05:00 war noch eine Menge Zeit; besser konnte es fast nicht laufen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte er die Ware in einem Mülleimer hinter dem Club deponiert. 
 
Bullen Ärger wollte er in Deutschland tunlichst aus dem Wege gehen. Dies war ihm bislang auch weitgehend gelungen. Bis auf einmal Schwarzfahren in der U Bahn – eine Kleinigkeit– sauberer konnte seine Weste kaum sein.
In seiner Heimat war dies doch etwas anders gewesen. Glücklicherweise wusste dies hierzulande aber niemand. Oder besser gesagt – niemand wollte es wirklich wissen. Auf den Ämtern arbeiteten meistens mittelalte Damen mit viel Empathie. Kaum eine , welche seinem Charme wieder stehen konnte. Tiefer gehende Nachfragen fast immer Fehlanzeige.
Er zündete sich mit seinem Dupont Feuerzeug eine Zigarette an, inhalierte tief, lächelte und betrat zufrieden wieder den Club. Morgen würde er wieder 500 Euro per Payroll Union nach Hause transferieren. Sein älterer Bruder musste schließlich mit dem Ausbau des Hotels vorankommen. Deutschland war nur eine Durchgangsstation. Zuhause war Geld verdienen viel schwieriger. Am Wochenende würde er es der Dicken wieder besorgen. Ihr Brüste luden seinen Säbel förmlich ein. Mohamed hatte ein Faible für aus den Fugen geratene deutsche Frauen.

Dank einer mittelgroßen Portion Vanille Eis mit Sahne Haube hatte das Stillleben halber Yufka auf japanischem Teller noch eine kurze Schonfrist. Sie war wie von Sinnen. Mehr, immer mehr. Unter ihren Brüsten hatte sich wieder Schweiß gebildet. Völlegefühl. Welches Völlegefühl ? Yufka auf Eis schmeckt göttlich. Speisebrei mit Fleischzulage.
Morgen früh stand der nächste Arztbesuch an. Sie brauchte unbedingt eine Überweisung. Ein voller Bauch gab ihr die Illusion, zu existieren. Später unbedingt an die Magen Tabletten denken. Mohamed konnte ihr heute gestohlen bleiben. Er war sowieso wieder auf Party Tour.
Beatrix Brustwarzen waren immer noch aufgerichtet. Die nächste Salve glitt die Speiseröhre herunter. Sie fühlte sich befriedigt und leicht erregt. Das Stillleben bestand nur noch aus einem japanischen Teller. Pizza Zeit. Hilfsmittel Messer. Vier gleich große Teil erschien als angemessen. Türkische Pizzen sind zum Glück immer sehr dick belegt. Auch an Käse wurde nicht gespart. Doppeldecker Pizza. Fettig und noch heiß. 
 
Beatrixfühlte sich weiterhin erregt und bewegte das erste Stück in Richtung Mund.
Die Peperoni schmeckte nach extra scharf. Nach dem Durchbeißen entfaltete sie erst ihre ganze Kraft. Kurzes Innehalten ; die Augen tränten. Schnell ein Glas Coke hinterher. Das nächste Stück wartete schon. Salami und etwas Paprika lachten ihr fett triefend entgegen. Genug gelacht – im Magen wird es gleich dunkel. Schnell und schneller schlang Beatrix die teigige Masse. Ihren aufgeblähten Bauch nahm sie wissend in Kauf.
Sie öffnete sämtliche Knöpfe ihres Kimonos. Essen ist Lust. Lust ist Leben. Pizza bis auf den letzten Rest vertilgt.Siegerin – geschafft.


Beatrix befahl ihren intelligenten Boxen, die Raumtemperatur um 5 Grad zu reduzieren. Obwohl die moderneTechnik selbstredend auch diesen Auftrag in kürzester Zeit gewissenhaft ausführte, war ihr immer noch unglaublich heiß. Außer um die Bauchgegend herum – kaltes, wenig durchblutetes Fleisch. Jetzt war das Sodbrennen wieder wahrnehmbar. Sehr sogar. Sie entschloss sich zum Konsum einer weiteren Slim Light Zigarette. Schwindel, kalt schweißige Stirn. Sekunden andauernde Bewegungslosigkeit auf dem Lounge Sessel. Das Nikotin tat ihr nicht gut. Ein leichtes Kratzen im Hals. Beatrix schämte sich ob ihrer fehlenden Disziplin. Die Magen Tabletten wirkten nicht mehr. Überall kalter Schweiß. Herzrasen. Sie kannte diesen Zustand seit mindestens fünf Jahren.

Mohamed wickelte gerade Deal Nr.6 ab. Der Elektro Club platzte aus allen Nähten – Prime Time, Zufriedenheit und Umsatz. Das Hotel nahm so langsam greifbare Formen an. Geld liegt in good old Germany wahrlich auf der Straße. Oder in der Mülltonne. Er lächelte verschmitzt in sich hinein und bestellte an der Bar bei einer voll tätowierten Brünetten einen weiteren Whisky sour. Großzügig rundete Mohamed auf 10 Euro auf. Es war wichtig, das ihn in diesem Laden jeder in guter Erinnerung behält. Am Wochenende würde er zusätzlich seine dicke Grazie um etwas Geld bitten. Die kranke Mutter...

Die ersten 9 Kapitel als praktisches Ebook ?

 

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Folge 007 (14.12.18)


#Beatrix oder daheim ist es am schönsten (Kapitel 07)

 

 


Beatrix geräumige und lichtdurchflutete 3,5 Zimmer Wohnung lag in einem Viertel, in welchem die Moderne seit einigen Jahren Einzug gefunden hatte.
Zumindest empfand sie es so. An jeder Ecke gab es kleine Bars und Cafes, in welchen man Sushi, selbstgemachte Pralinen oder auch vegane Gaumenfreuden konsumieren konnte. Abends herrschte auf den Straßen ein stetiges Wuseln. Es gab viele kreative Menschen in der Gegend. So weit Beatrix dies beurteilen konnte, ging im Viertel fast jeder irgendeinem Projekt nach. Gegenüber ihrer Wohnung hatte gerade eine Galerie für afrikanische Gegenwartskunst frisch eröffnet. Eine ihrer Nachbarinnen betrieb einen größeren youtube Kanal, auf welchem sie ihre Aktzeichnungen vorstellte.
Trotz allem lebten in dem Viertel viele Kleinkinder und Babys. Besonders in den Mittagsstunden und bis zum Einbruch der Dämmerung überall Mütter mit ihren Doppel Kinderwägen und Coffee to go Bechern.

Vor ein paar Jahren lebten in ihrem Viertel vor allem noch Rentner und Arbeiter. Die Fassaden waren damals alle viel grauer. Beatrix konnte dies beurteilen, den sie lebte bereits das siebte Jahr in ihrer Wohnung. Damals gab es 2 Eckkneipen für Menschen jenseits der 70. Ansonsten neben einer Bäckerei nicht viel Abwechslung.Nach 19 Uhr wurden sprichwörtlich die Gehsteige hochgeklappt.

Als ein Investor mehrere Blocks von der hiesigen Wohnbaugesellschaft gekauft hatte, wurde es dann fast über Nacht komplett anders. Die Häuser erhielten einen neuen modernen Anstrich; Farbe kehrte ein und Gewerberäume wurden geschaffen. Viele der gleichfalls grauen Vorbewohner zogen in den folgenden Jahren weg. Oder starben. Beatrix war sich diesbezüglich nicht ganz sicher.

Leben in die Gegend war aber eigentlich schon früher gekommen. Ungefähr vor 5 Jahren, als drei Straßenzüge weiter in einem still gelegten Fabrikareal der neue Elektro Club der Stadt eröffnet hatte. Plötzlich wollten alle in das vormals eher als langweilig geltende Kiez ziehen. Beatrix machte sich eigentlich nicht viel aus Clubbesuchen.
Um bei ihren Arbeitskollegen anerkannt zu bleiben, blieb ihr allerdings gelegentlich Freitags nichts anderes übrig, als Ja zu sagen. Ja zu stundenlangem dumm herumstehen um eine meist total überfüllte Bar. Ja zu viel zu lauten Bässen aus viel zu großen Boxen.

Ihr „Friend with spezial benefits“ Mohamed war diesbezüglich anders gepolt. Er wollte praktisch jedes Wochenende in den Club. Beatrix wusste, das er sporadisch in gute Bekannte etwas Weed verkaufte. Sie fand diese Tatsache moralisch durchaus vertretbar. Schließlich konsumierte er selbst keine Drogen. Zumindest beteuerte er dies mantrahaft regelmäßig. Außerdem brauchte er das Geld für seine kranke Mutter. Meistens blieb Beatrix allerdings zu Hause, wenn es Mohamed in das Nachtleben zog.

Die Mieten waren in den letzten Jahren natürlich schon arg nach oben geschnellt. Genau genommen um fast 120 Prozent die letzten 7 Jahre. Da Beatrix inzwischen gut verdiente, war ihr diese Kostensteigerung recht egal. Ein Kiez mit hohen Wohnkosten hatte nämlich durchaus auch seine Vorteile. Es hielt solche Versager wie vorhin vor dem Supermarkt fern. Und alte Menschen leben doch meistens lieber im grünen.

Vor ihrem generalsanierten Wohnblock legte sie ihren Daumen auf einen Sensor. Wie von Geisterhand gesteuert öffnete sich die im Bauhaus Stil gestaltete Eingangstüre. Das Treppenhaus war dezent, aber perfekt ausgeleuchtet. Für die Treppenhausbeleuchtung hatte der neue Investor extra einen Light Artist aus Mailand verpflichtet. Als sie damals einzog, spendeten hier noch profane und zumeist vergilbte Neon Leuchten Erleuchtung. Ihre Einkäufe zog Beatrix mittels eines Trollys hinter sich her. Sie freute sich auf Essen. An ihr Sodbrennen hatte sie sich inzwischen gewöhnt.

Selbst der Aufzug hatte eine General Überholung erhalten. Der einst simple 70er Jahre Stil der Marke höchstens 8 Personen mit 500 kg. Leibesfülle war einem eleganten Hybrid aus Tradition und Moderne gewichen. Modernste Digital Technik , welche ihren Dienst in einem im Chandler Stil der 40er Jahre gebauten Aufzug verrichtete.
Beatrix fand diese Veränderungen toll. Auch die unauffälligen und überall im Treppenhaus angebrachten Überwachungskameras störten sie nicht. Sie waren perfekt in die Architektur integriert und gaben ihr ein Gefühl von Sicherheit. Jede Bewegung im Treppenhaus wurde aufgezeichnet und bis auf Wiederruf digital gespeichert. Im Bedarfsfall griff ein privater Sicherheitsdienst unmittelbar und schnell ein.Seit Beatrix in dem Haus wohnte, war hier noch nie ein Verbrechen passiert. Hierfür bezahlte sie gerne 90 Euro zusätzlich im Monat.

Ihre Wohnungstüre öffnete Beatrix gleichfalls mittels ihres Fingerabdruckes. Sie hätte zwar auch einfach ihren Schlüssel verwenden können. Ein normales Schloss besaß die filigran verglaste Türe nämlich auch. Die Fingerabdruck Variante fand sie aber deutlich schicker und erinnerte sie an diverse Ami Serien, welche sie sich zugegeben mehr als regelmäßig reinzog. Die meisten in ihrem Betrieb hatten derartige technische Spielereien zuhause nämlich nicht vorzuweisen.
Außer ihr konnten nur Mohamed und ihre Mutter Haus und Wohnung mittels einfachem Daumendruck betreten. Beatrix war dies eigentlich nicht sonderlich recht; hätte aber ansonsten in beiden Fällen eine Kränkung wegen fehlendem Vertrauen nach sich gezogen. Gerade Mohamed war in dieser Beziehung recht eigen.

In ihrer Wohnung befahl sie als erstes ihrem intelligenten Boxen System per Sprachsteuerung, dezente Hintergrundmusik zu spielen.

Es erklang 'I Will Always Love You' von Whitney Houston . Nicht ganz zufällig.
Ihre Boxen wussten wahrscheinlich mehr über Beatrix als sie selbst. Immerhin konnten nämlich auf ihr Surf- und Einkaufsverhalten im Netz zugreifen. Und dies über Jahre.
Außerdem hatte sie sich mit zwei ihrer Freundinnen des öfteren über die leider viel zu früh verstorbene Soul Diva unterhalten. Diese Gespräche waren dem Algorithmus der Boxen augenscheinlich nicht unerkannt geblieben. Boxen war sowieso ein fast schon herabwürdigender Ausdruck für diese tolle Erfindung. Hiermit konnte sie sämtliche ihrer Elektro Geräte intelligent per Sprache steuern. Gerade im Falle des Fernsehers fand Beatrix dies unglaublich cool. Zeige mir eine Doku – und zack – sofort war auf dem Bildschirm etwas zu sehen, was wirklich ihrem Geschmack entsprach. Sie liebte Technik, welche einem das Leben derart einfach macht.

Nachdem sie ihre Einkäufe in den im 50er Jahre Stil gehaltenen Kühlschrank einsortiert hatte, beschloss Beatrix, das es Zeit für bequemere Kleidung ist. Ihre Jeans rieb weiterhin rigoros an ihrem teilweise wund gescheuerten Bauch. Sie durfte später auf keinen Fall vergessen, Dr. W. Verschriebene Salbe auf die geröteten Stellen aufzutragen.
Außerdem hatte sie das Gefühl, das ihre Straßenkleidung nach Moder und Verfall roch. Auf der Supermarkt Toilette hatte sie sich sicher gefährliche Bakterien eingefangen. Beatrix schauderte leicht.

Ihr gleichfalls über intelligente Digital Technik verfügende Kleiderschrank empfahl ihr via beruhigender Frauenstimme daher den japanischer Kimono, welchen sie vorigen Monat bei einem bekannten Online Händler erstanden hatte. Diesen Vorschlag fand Beatrix in Anbetracht ihrer momentanen Verfassung mehr als angemessen. Obwohl noch nie in ihrem tatsächlich in Japan gewesen, hatte sie bereits zu Kindertagen ein Faible für dieses Land entwickelt. Mangas lass sie unglaublich gerne. Außerdem war er unglaublich bequem und kaschierte vortrefflich ihren Walroß haft aus den Fugen geratenen Bauch.
Beatrix zog sich aus und beförderte ihre heutige Kleiderwahl in ein Behältnis, welches ihre Anziehstücke anschließend sortierte, reinigte und wieder an die vorgesehenen Stellen in den Schränken beförderte.

Intelligent Clothing hieß dieses System, welches erst seit einem Jahr auf dem europäischen Markt eingeführt worden war.Sündhaft teuer aber im täglichen Konkurrenzkampf mit ihren Kolleginnen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Noch 43 Monatsraten und es gehörte bis auf den letzten Chip ihr. Dafür lohnte es doch zu arbeiten und Karriere zu machen. 


Die ersten 9 Kapitel als praktisches Ebook ?

 

Sonntag, 9. Dezember 2018

Folge 006 (9.12.18)

#Beatrix fährt in die Apotheke (Kapitel 06)

 

 


Beatrix war froh, als sie endlich ihren Einkauf hinter sich gebracht hatte. Schnell weg von hier ! Motor an, Rückwärtsgang eingelegt und ab nach Hause ! Entgegen ihrer sonstigen Angewohnheiten zündete sie sich zum Fahren eine ihrer Light Zigaretten an. Normalerweise hasste es Beatrix, wenn in einem Auto geraucht wird. So stickig; keine Luft mehr ! Obwohl sie vom Verstauen ihrer Einkäufe immer noch außer Atem war, zog sie den Rauch ihrer Zigarette dennoch tief ein. Diese widerlichen Menschen vor dem Supermarkt ! Sie machten ihr Angst. Sich so würdelos gehenlassen.

Im Mp4 Spieler trällerte gerade ein Radiosender , welcher heute wohl Deutschrock zum Themenschwerpunkt hatte. Es lief „Der Typ aus ZelleNummer 10“ von Westernhagen.
Beatrix fiel ein, das sie noch ein Rezept aus der Apotheke abholen musste. Sie hatte zwar noch drei Schlaftabletten in petto – dennoch wollte sie diesbezüglich auf Nummer Sicher gehen. Außerdem war die Nacht Apotheke ja keine 500 Meter entfernt und ein paar zusätzliche Payroll Punkte konnten schließlich nicht schaden.

Danach brauchte sie aber dringend etwas zu essen. Trotz 30er Zone beschleunigte Beatrix ihren Waagen auf unerhörte 40 Km / Stunde. Ihr Sodbrennen war zwar geringfügig besser geworden; plagte sie aber immer noch konstant. Vielleicht hatte sie sich aber auch nur daran gewöhnt. Der Duftbaum spendete weiter fleißig Papaya Duft und aus den Boxen schepperte nun „99 red Ballons“ von Nena.

Nach der Hälfte drückte Beatrix ihre Zigarette aus. Sie betrachtete sich während der kurzen Fahrt im Rückspiegel. Ihr Lippenstift brauchte dringend eine Auffrischung. Hoffentlich hatten sie in der Apotheke ihre Tabletten auch vorrätig. Der morgige Arztbesuch war ihr neunter dieses Quartal. Den Zahnarzt nicht mitgerechnet.
Weiterhin scheuerte der Gurt an Beatrix Bauch. Zumindest dann, wenn sie um die Kurve fuhr.

Der ungefähr 60 Jahre alte Apotheker kannte Beatrix bereits seit Jahren , begrüßte sie per Handschlag und händigte ihr mit einem Strahlen im Gesicht das gewünschte Präparat aus. In stürmischen Zeiten wie den momentanen waren langjährige Stammkunden Gold wert. Und vor allem solche, welche quasi im Wochentakt mehrere Rezepte einlösten. Er schrieb Beatrix ihre Payroll Punkte gut, bedankte sich und hielt ihr zum Abschied noch die Türe auf. 


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Samstag, 8. Dezember 2018

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