#Serge Nimmersatt (Kapitel 10)
Auch
in neoliberalen Zeiten macht zumindest in Deutschland fast jeder
Supermarkt irgendwann zumindest für ein paar Stunden seine Pforten
dicht. Für Serge und seine Kollegas bedeutete diese an sich
begrüßenswerte Tatsache ein echtes Nachschubproblem. Den pünktlich
um Mitternacht saßen sie mit einem Male komplett auf dem trockenen.
Nichts mehr zu saufen. Leere Flaschen machten ihn immer etwas
depressiv und traurig. Alles ist dann irgendwie vorbei. Leergut
erinnerten ihn an seine Endlichkeit.
Eigentlich
hatte er ja fast genug. Nach den kleinen Feiglingen war er vernünftig
geworden und endlich auf Vodka umgestiegen. Seltsamerweise hatte ihn
der Kartoffelschnaps aber eher wieder nüchtern gemacht. Wie auch
immer – er wollte auf jeden Fall noch weiter saufen.
Hans
Dieter lag bereits seit einer halben Stunde neben seiner Kotzlache
und schlief. Na ja, warm genug heute Nacht – soll er halt weiter
pennen. Zum Glück hatte der Filialleiter des Supermarktes heute frei
und seinen Angestellten das Feld überlassen. Ansonsten wären
wahrscheinlich längst die Bullen gekommen. Er beschloss dennoch,
morgen vor einen anderen Supermarkt zum trinken zu gehen. Gras über
die Sache wachsen lassen. Von dem fetten Fickfleisch hatte er die
Autonummer ja notiert.
Serge
kontrollierte seinen Geldbeutel und konnte mit Freude feststellen,
das in ihm noch 20 Euro enthalten waren. Weiter saufen also
gesichert. Aber am besten alleine. Rolf hatte nämlich keinen Cent
mehr im Sack. Und Marcel in den meisten Kneipen, welche noch offen
hatten, Hausverbot.
Er
beschloss, eine Mischung aus Kneipe und Imbiss in Bahnhofsnähe
aufzusuchen. Gerade um die Ecke und günstige Spritpreise. Und
vielleicht gab es dort ja auch noch etwas zu ficken. Seine Nille
brannte und jukte zwar immer noch wie Fegefeuer – aber für eine
alte Alki Schlampe wird es wohl noch ausreichen. Er stellte sich vor,
dem dicken Fickfleisch von vorhin in das Gesicht zu spritzen. Aber
jetzt brauchte er erst einmal was zu saufen. Sein Arztbesuch stand ja
erst um 10.15 an.
Der
Imbiss wirkte ungeputzt und schäbig. Eher klein geschnitten luden
drei Tische zum Verweilen ein. Die Außenbestuhlung war um die Urzeit
bereits aufgebockt. Kleine Bar mit weiteren sechs Sitzplätzen.
Abgerundet durch zwei Spielautomaten und eine vor fett triefenden
Mikrowelle. Helles Neonlicht. Geruch von Bier und Schweiß in der
Luft.
Trotz
unter der Woche und inzwischen weit nach Mitternacht war der kleine
Laden beachtlich voll. Genau wie seine Gäste. Obwohl die vor fett
triefende Mikrowelle vielleicht anderes vermuten ließe, besuchte
dieses Etablissement niemand zur Befriedigung seiner kulinarischer
Bedürfnisse. Dementsprechend lange lagen die Hähnchenschenkel auch
bereits schon in der Fieberglas geschützten Auslage. Saufen; hier
wollten alle nur saufen. Oder zocken und saufen.
Der
Wirt, ein kleingewachsener Mann um die 60 und irgendwie an eine
idealtypische Karikatur von Luis de Funes erinnernd, begrüßte Serge
kurz, erinnerte ihn an einen alten Deckel von 7,80 Euro und stellte
ihm dennoch einen Schnaps samt Bier auf den Tresen. Serge setzte
sich auf den einzigen freien Barhocker und trank einen großen
Schluck aus der eiskalten braunischen Röhre. Sein Magen krampfte
sich kurz zusammen, doch der Gerstensaft blieb glücklicherweise
unten.
Beide
Geldspielgeräte wurden von einem jüngeren und für die
Gepflogenheiten des Etablissement sportlich elegant gekleideten
Mannes bespielt. Augenscheinlich Türke; zumindest unterhielt er sich
mit seinem daneben stehenden Kumpel in dieser Sprache. Eventuell aber
auch Araber, welche türkisch sprachen. Ihre perfekt getrimmten Bärte
glänzten förmlich vor Gel.
Erhitzt
stritten sie sich über den trefflichen Gebrauch der Risikotaste
:“Bruder, für 140 Euro musst du viel schneller drücken. Oder mach
besser Karte – habe in geheimen Internet Forum gelesen – momentan
immer schwarz, schwarz, schwarz, rot, schwarz“. Unbeirrt hämmerte
der andere aber weiterhin auf die Risikotaste ein.
„Ich
muss nur schneller drücken; dann kriege ich 140 Euro. Ich schwöre“.
Da
er für den geglaubten Anspruch des Automaten aber immer noch einen
Tick zu langsam war und das aktuelle Guthaben bei gerade noch 1,50
Euro lag, schob er einen weiteren 20 Euro Schein in das
Geldspielgerät.
„Automat
ist wie Frau – wenn du ran willst, musst du erst investieren. Ich
spiele jetzt 1 Euro Fach. Mit 20 Cent pro Dreh denkt Maschine noch ,
das ich armer Hund bin. Abdul fährt 4er BMW und macht Business.
Fahrer Job ist nur zum Spass“.
Stolz
gestikulierend zeigte er auf einen silber matten und tiefergelegten
Waagen, welcher auf dem einzigen Parkplatz vor der Lokalität
abgestellt stand.
Weitere
20 Euro wurden in die empirische Überprüfung unterschiedlicher
Risikoleiter Theorien investiert. Beide nukelten an ihrem Vodka Bull.
Serge
fand, das der Anis Schnaps etwas arg verdünnt schmeckte. Zumindest
merkte er von dem Gesöff nichts. Als er sein Stamperl geleert hatte,
schenkte der Wirt ungefragt nach.
„Ist
von Sabine. Die hat heute Geburtstag“.
Von
einem der drei Tische prostete Serge eine etwa 50 jährige Frau mit
viel Schminke und wenig Zähnen zu. Zwei weitere Typen saßen mit ihr
am Tisch, welcher die Last von vielen leeren Bier-, Wein und Schnaps
Gläsern zu tragen hatte. Serge kannte die drei flüchtig.
Trunkenbolde wie er selbst auch.
Sabine
hatte wohl sogar Abitur. Dann war sie aber vor 25 Jahren besoffen vom
Motorrad gefallen. Ohne Helm direkt auf den Kopf. Seither etwas
matschbirnig und tagsüber in einer Behindertenwerkstatt beschäftigt.
Meistens aber am Wein saufen. Und wenn man seinem Kumpel Hans Dieter
glauben konnte – leicht zu ficken. Serges von Nillenkäse geplagte
Eichel brannte immer noch. Er spürte die Ahnung einer Erektion.
Der
Wirt stellte billige Supermarkt Erdnüsse auf den Tresen.
Umsatzmaximierung : salzige Nuss macht durstige Männer noch
durstiger.
Sabine
hatte bereits merkliche Sprachfindungsstörungen und forderte Serge
vehement schreiend auf, sich gleichfalls an den Tisch zu setzen. Seit
ihrem Unfall hatte sie Schwierigkeiten, ihrer Stimme eine angemessene
Lautstärke zu verleihen. Entweder zu laut oder zu leise. Meistens
aber deutlich zu laut.
Nach
weiteren sieben 20 Euro Scheinen fanden sich die zwei gegelten
Bartträger endlich auf dem Olymp ihres Risiko Tasten verprügelns.
Virtuelle Raketen zeigten sich auf dem Display – Trommelwirbel –
die 140 Euro wiesen den Weg in den Automatenspieler Himmel.
„Bruder,
so musst du es machen. Wie bei Kitzler von Frau. Ich zeige dir noch
einmal, wie das geht“.
Abdul
buchte weitere 20 Euro auf und erhöhte auf 2 Euro Fach. Den zweiten
Automaten ließ er per Vollautomatik auf 40 Cent Fach durchlaufen.
Falls nötig, schob er einen weiteren Schein nach. Geld hatte er
momentan genug. Sein Schlangenleder Geldbeutel platzte fast vor
Scheinen. Die Geschäfte liefen ausgezeichnet.
Serge
kippte seinen zweiten Schnaps, schnappte die halb geleerte braunische
Röhre und kam Sabines Aufforderung nach. Sie roch penetrant nach
günstig erstandenem Frauen Parfüm. Und reichlich gesoffenem Wein.
Lippenstift und Make Up waren reichlich aufgetragen. Bluse einen Tick
zu weit geöffnet. Glasige Augen und frisch gepimpte Fingernägel in
hellrot.
„Bestelle
dir was zu saufen. Ich habe heute Geld bekommen“.
Serge
setzte sich und kam ihrer Aufforderung in Form eines doppelten Vodkas
samt Bier ohne weitere Widerrede nach. Das alte leerte er auf ex.
Ihre
linke Hand gliet über seinen Oberschenkel. Mit der rechten prostete
sie ihm zu.
„Ich
habe heute nämlich Geburtstag“.
Einer
der anderen Typen am Tisch dämmerte vor sich hin. Seine Augen waren
geschlossen ; er schnarchte regelmäßig unregelmäßig.
Serge
stieß mit dem Geburtstagswrack an und gab ihr einen Kuss auf die
Wange. Sabine drehte ihm sofort den Mund hin. Sie roch etwas nach
Zwiebeln. Etwas viel nach Zwiebeln. Und Knoblauch.
Typ
Nr.2 klaute dem schlafenden einige Kippen aus der Schachtel und
verzog sich zum rauchen nach draußen in den Biergarten. Er starrte
auf die gegenüberliegenden Bahngleise und beobachtete den gerade
vorbeirauschenden Fernzug. Zwei Bahnarbeiter machten es sich rauchend
an den Parallelgleisen zu schaffen. Wartungsarbeiten bis 05.00 Uhr
morgens.
Sabines
Zunge war trotz ihres fortgeschrittenen Weinkonsums schnell wie eine
Klapperschlange. Ohne Vorwarnung vorschnellend , hatte Serges von
Ekzemen nicht unverschont gebliebener Mund keine Gelegenheit der
Gegenwehr. Tiefer und tiefer erkundete sie seinen Mundinnenraum. Ihr
linke Hand hatte seinen Hals ergriffen. Künstliche und viel zu lange
Fingernägel bohrten sich in Nacken Fleisch. Leichte Schmerzen und
Anzeichen von Würgen – trotzdem halb steifer Schwanz.
Der
kleingewachsene Wirt und ein älterer Mann an der Bar stritten
lautstark über Politik und die genaue Höhe eines alten Deckels.
Obwohl beim Thema Politik selten ein Konsens zu erzielen ist und sich
der Differenzbetrag um weniger als 1 Euro belief, gipfelte sich der
Twist immer weiter zu. Beide schrien; beide hatten tomatenhaft rote
Köpfe. Prinzipien Reiter in Reinkultur. Alle möglichen und
unmöglichen Tiernamen wurden beidseitig durchexerziert. Blutdruck
auf Rekordjagd.
Aus
halb steif wird gelegentlich ganz steif und jedes Glas ist irgendwann
einmal leer. Serge wollte saufen und gegebenenfalls ficken. Vor allem
aber saufen. Trotz seines Streitgespräches bemerkte das Louis de
Funes Double die Getränke Misere am Tisch quasi in Echtzeit. Da er
wusste, das Sabine ausnahmsweise über ausreichend bares verfügte,
goss er Serges Schnaps Stamperl sofort wieder voll. Eine weitere
Flasche Bier fand seinen Weg auf den Bistro Tisch.
Für
den Bruchteil von einigen Sekunden wurde das eigene Streitgespräch
unterbrochen. Der beteiligte ältere Mann hielt sich gleichfalls an
die kurze Waffenruhe.
Auch
Sabine ließ kurz von Serge ab. Sie genehmigte sich einen großen
Schluck aus ihrem Weißweinglas, schnappte sich eine ihrer Zigaretten
und verzog sich zum Rauchen vor die Türe.
Da
die Konzession des Etablissement auf Speiseimbiss lief, herrschte
seit einigen Monaten im Inneren zum Leidwesen aller Rauchverbot. Typ
Nr.2 starrte immer noch rauchend auf die Bahngleise. Sabine stellte
sich neben ihn und zündete sich gleichfalls einen Glimmstängel an.
Sie inhalierte tief. Ihre Haltung war leicht gebeugt. Für die
nächsten Stunden würden keine Züge mehr vorbeifahren. Die
Bahnarbeiter konnten in Ruhe ihre Arbeit verrichten.
Serge
beobachtete das Treiben vom Tisch aus und war froh, für einige
Minuten seine Ruhe zu haben. Er nahm einen kleinen Schluck aus seinem
Vodka. Nach dem Termin bei Dr. W wollte er wieder vor einen
Supermarkt zum saufen. Das annehmbare Wetter etwas ausnutzen.Wenn
alles normal lief, würde er einen Teil der verschriebenen Tabletten
sofort wieder verkaufen.
Hans
Dieter war ziemlich auf dem Geier und hatte dank regelmäßiger
Einkäufe bei der Tafel noch genug Geld übrig. Aber morgen ist
Zukunftsmusik und heute schien der Vodka nie leer zu werden. So
gefiel ihm das. An sein Magen Brennen hatte er sich seit Jahren
gewöhnt. Er dachte kurz an das dicke Fickfleisch aus dem Supermarkt.
Der Zettel mit ihrer Autonummer lag in seiner Hosentasche.
Sabine
und der andere Typ befummelten sich draußen vor der Türe; Wirt und
älterer Mann waren weiter in ihren nicht enden wollenden Streit
vertieft. An den beiden Geldspielautomaten wurde weiter auf hoher
Fachzahl weiter geballert. Die Risikoleiter hatte sich bereits seit
längerem in den Feierabend verabschiedet. Die beiden perfekt
getrimmten Bartträger schien dies nicht weiter zu interessieren.
Mehr
Vodka wollte in Serges Magen. Die Gelegenheit heute würde er nicht
ungenutzt verstreichen lassen.
Nach
einigen Minuten kam Sabine alleine wieder zurück in den Laden. Typ
Nr.2 hatte sich ohne weitere Erklärung torkelnd und schimpfend in
die Nacht verabschiedet. Ihr Gang wirkte unkoordiniert; mit Mühe
traf sie ohne weitere Komplikationen ihren Sitzplatz. Der Schläfer
döste noch immer. Seine überdimensioniert wirkende Zunge hing ihm
leicht aus dem Mund. Mittelfristig drohte er vom Stuhl zu rutschen.
Gefliester
Boden mit Fett Schlieren. Vor einer Woche zum letzten Mal
durchgewischt.
Mit
den Worten „Was für ein Arschloch“ griff Sabine nach ihrem
Weinglas und nahm einen tiefen Schluck. Rotze lief ihr die Nase
herunter. Ohne weitere Vorwarnung griff sie wieder nach Serges Nacken
und begann erneut , ihre immer noch wendige Zunge in seinen Mund zu
schieben. Er erwiderte ihr Ansinnen und griff mit seiner rechten Hand
unter ihren khakifarben Pullover. Einen Büstenhalter trug sie nicht.
Die großen Brüste fühlten sich etwas teigig an. Überdimensionierte
Brustwarzen, welche sich rasch aufrichteten.
Sie
griff ihm in den Schritt. Ungewaschenes Segel immerhin halb
aufgerichtet. Die entzündete Eichel schmerzte. Egal. Ihr
Speichelfluss war nicht von dieser Welt. Zwiebelreste wechselten die
Münder. Serges Mundekzeme schmerzten leicht. Hiergegen half aber
mehr Vodka. Außerdem hatte er noch Schmerztabletten zu Hause. Diese
hatte ihm der Herr Doktor beim letzten Besuch förmlich
aufgeschwatzt. Trotz aller Sauferei heute waren seine Eier bis zum
Anspannen geladen. Serge bildete sich ein, das seine Eichel
fortwährend Sperma gegen seine bereits gelbliche Unterhose
schleudern würde. Vielleicht war es auch Eiter Sekret – aber was
spielte das auch für eine Rolle.
Die
anderen Gäste waren in ihrer eigenen Welt gefangen. Serges und
Sabines gab es hier fast täglich; das eigene leere Glas wichtiger.
Einer der getrimmten Bartträger verließ die Lokalität zum
telefonieren. Pathetisch gestikulierend redete er auf sein Smart
Phone ein. Ein Streifenwagen mit eingeschaltenem Blaulicht fuhr mit
hoher Geschwindigkeit in Richtung Bahnhof. Hiervor lagen bereits die
Tageszeitungen des nächsten Tages zur Abholung bereit. In 2 Stunden
würde der Imbiss für eine Stunde schließen. Dann würde sich das
Spiel wieder wiederholen.
DrW räkelte in seinem geräumigen Bett, schlief tief und träumte von
einer weiteren Vergrößerung seiner Praxis. Seine 7 Zimmer Wohnung
befand sich in einer verkehrsberuhigten Nebenstraße inmitten der
Altstadt. Gehobene Wohngegend; Studenten lebten hier schon lange
nicht mehr. Selbst für die Fraktion „Mein Papi hat eine Praxis
/-Kanzlei und sucht mich als Nachfolger“ war der Kiez zu teuer.
Dr
W hatte es geschafft. Endlich floss das Geld – vorbei die Zeiten,
als sich bestenfalls 1 Patient pro Stunde in seine Praxis verirrte.
Er gehörte jetzt dazu. Nur die Krankenkase tadelte ihn gelegentlich.
Sein Rezept Aufkommen war zugegeben etwas stark über dem regionalen
Durchschnitt. So lange aber deren Geld pünktlich floss, war ihm dies
relativ egal. Er gab den Menschen einfach das, was sie wollten.
Endlich konnte er sich auch gebührend um sein Steckenpferd kümmern.
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