Endlich
konnte sie den Verkaufsraum des Supermarktes betreten. Ihr
Einkaufswagen steuerte als erstes die Wurstabteilung an. 2 Packungen
flämische Leberpastete : Payroll Punkte und Geschmack Orgasmus. Zur
Sicherheit noch 200 Gramm Krustenbraten. Mit Mayonnaise schmeckt
alles gleich sehr viel besser. Sahne Käse und Butter – Brötchen
sind ansonsten viel zu trocken.
Diese
fand sie in ausreichender Zahl in der Backwarenabteilung. Die
Schinken Croissants sahen sehr lecker aus – Spontankauf 3 Stück.
Dazu noch eine gefüllte Blätterteigtasche für den Nachtisch.
Selbstverständlich geizte auch die Backwarenabteilung nicht mit
Payroll Punkten. Glücksmomente in Beatrix Leben. Ihr Sodbrennenn
nahm sie nur noch als Hintergrundrauschen war.
Guter
Pudding ist jeder Löffel wert. Besonders der mit Vanille und extra
viel Sahne. Selbstverständlich landete hiervon eine 4er Packung inBeatrix Einkaufswaagen.
Im
Payroll Rechenzentrum wurde wie immer Beatrix Bewegungsprotokoll
durch die heiligen Hallen der Konsumfreuden aufgezeichnet und
ausgewertet. Cola ohne Zucker – ein Unding. Und Undinge landen
nicht in Beatrix Einkaufswaagen.
Kaum
deutsch sprechende Mindestlohn Empfänger waren mit dem Auffüllen
der Regale beschäftigt. Sie versperrten an vielen Stellen den freien
Zugang zu den Regalen. Beatrix fühlte sich an den Hindernislauf im
Schulsport erinnert. In Sport hatte sie früher bestenfalls
durchschnittliche Zensuren. Na ja, zumeist eine Vier oder Fünf. Bei
Mannschaftssportarten wurde sie durchschnittlich als drittletzte
gewählt. Immerhin hatte sie sich vor vier Monaten im Fitness Studio
angemeldet. Leider war sie bislang noch nicht zum trainieren
gekommen. Ihr Job forderte sie einfach 24/7. Sie hatte oft das
Gefühl, das sie die Firma alleine führen müsse. Zumindest ihre
Fitness App hatte sie aber bereits installiert.
Selbstverständlich
sollte der heutige Tag nicht ohne eine warme Mahlzeit enden. Die
neuen Doppel Burger aus dem Tiefkühlregal standen hier ganz weit
oben auf ihrer Präferenz Liste. Dicht gefolgt von der XXL Lasagne.
Da sich Beatrix nicht entscheiden konnte, entschloss sie sich
kurzfristig für beides. Zuerst das eine, dann das andere. Die
anfallenden Payroll Punkte konnte sie schließlich auch gut
gebrauchen. In ihrem Postleitzahlenbereich befand sie sich dieses
Quartal auf Platz 7 der payroll Punktesammlerinnen.
Eine
frische Packung Feuchttücher kann kein Fehler sein. Möglicherweise
die Packung Slim Light Zigaretten – aber das Nikotin half Beatrix
ungemein beim Stressabbau.
Im
Zeitschriftenregal lächelten ihr die Cover diverser Frauenmagazine
gebleached entgegen.
Trotz
diverser Besuche beim Zahnarzt entsprach ihr Kauwerkzeug nur zum Teil
dem „Weiß ist geil“ Schönheitsideal. Ihre Zähne waren leider
leicht verfärbt. Auch zwei Zahn Bleaching Behandlungen konnten
diesbezüglich nicht viel bewirken. Erbrechen hinterlässt eben seine
Spuren. Danach fühlte sich Beatrix aber oftmals besser.
Neben
Essen war Lesen ihre zweite Leidenschaft. Außerdem muss Frau ja auf
dem laufenden sein, was gerade en vogue ist. Vegane Ernährung
bereits bei Kleinkindern in der neuen Madleine oder Sex mit Männern
aus islamisch geprägten Kulturkreisen in der Herbst Ausgabe der
Berlin Woman. Zwei eigentlich sehr spannende Themen, welche das
Interesse von Beatrix geweckt hatten.
Aber
eigentlich war sie ja gerade mit der Lektüre eines neu erstandenen
Buches beschäftigt. Ganz interessant und fesselnd : „Der Dusel in
meinem Kopf“ von Nicole Horschel. Eine Art Tagebuch einer
Psychotikerin aus Süddeutschland. In einer sehr bildhaften und
mehrschichtigen Sprache geschrieben.
Da
Beatrix ihre fesselnde Neuerscheinung unbedingt bis zum Wochenende zu
Ende gelesen haben wollte, fehlten ihr zur Lektüre von Magazinen
momentan eigentlich die Zeit.Dennoch entschloss sie sich zumindest
zum Kauf der Berlin Woman.
Vielleicht
konnte sie hier ja etwas über ihre Beziehung zu Mohamed lernen.
Mohamed wollte oft Sex. Einen beschnittenen Penis hatte Beatrix zuvor
noch nie gesehen. Er gab unverhohlen zu, das er auf füllige Frauen
steht. Da er kaum deutsch sprach, unterhielt sie sich mit ihm mittels
einer Mischung aus Denglisch und Gebärdensprache.
Oftmals
bat er sie um etwas Geld. Beatrix verstand dies. Schließlich musste
er sich in seinem Heimatland noch um seine kranke Mutter kümmern.
Durchschnittlich sah sie Mohamed zweimal die Woche. Er musste
schließlich ja auch noch deutsch lernen. Vier Jahre jünger war er
auch noch. Und über seinen Asylantrag war auch noch nicht
entschieden. Gelegentlich sprach er sogar von Heirat.
Na, laut
Berlin Woman war sie diesbezüglich ja nicht alleine. Beatrix war
jedenfalls auf die Erfahrungsberichte der anderen Frauen sehr
gespannt. In dem Buch von Nicole Horschel wollte sie aber auf jeden
Fall auch noch ein Kapitel lesen.
Beim
erneuten Besuch der Tiefkühltruhe entschied sich Beatrix zum Kauf
einer 500 g. Packung Speiseeis. Eis beruhigt den Hals wunderbar.
Gelegentlich ist es wunderbar, sich selbst zu befreien. Aber
eigentlich fand sie es ekelhaft, sich zu erbrechen. Selbstreinigung
darf aber keinen Spass machen.
Sie
beschloss, langsam an die Kasse zum zahlen zu gegen.
Die
Payroll Punkte sollten endlich auf ihren Account gebucht werden !
Ihrer Rechung nach musste sie heute den „Super Doppler“ Modus
erreicht haben. Alle Punkte im weiteren Verlauf dieses Monats würden
dann doppelt zählen. Vielleicht konnte sie hiermit sogar auf Platz 1
der regionalen Payroll Rangliste gelangen. Sie spürte einen Anflug
von Freude.
Außerdem
fühlte sich Beatrix beobachtet. Da war doch wieder diese ekelige
Alki Typ aus dem Eingangsbereich. Wohl am Nachschub kaufen.
Aufdringlich starrte er zu ihr hinüber. Mit so schwarzen Zähnen
würde sie sich schämen. Nächste Woche hatte sie einen weiteren
Termin bei ihrem Zahnarzt. Beatrix hatte den Wunsch nach strahlend
weißem Kauwerkzeug noch nicht aufgegeben. Ob die Krankenkasse wollte
oder nicht – sie hatte zu bezahlen. Schließlich hatte sie einen
verantwortungsvollen Job. Auf die Außenwirkung kommt es schließlich
an.
Was der
Typ nur von ihr wollte ? Beatrix fand ihn unangenehm. So konnte man
sich doch nicht in der Öffentlichkeit geben. Daheim wollte sie erst
einmal essen. Und ihre Payroll Punkte noch einmal selbst auswerten.
Das verschaffte ihr eine beruhigende Befriedigung.

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